Warum gehen Chinesen in ein deutsches Autohaus? (für A.)

Hallo Catrin, ich stamme aus einer Familie, die schon seit Jahren im Besitz eines Autohauses ist. Wir bekommen mehr und mehr chinesische Kunden. Oft habe ich jedoch das Gefühl, dass sie bei uns nicht wirklich finden, was sie suchen. Das frustriert mich und ich würde meinen Service gerne mehr nach ihren Bedürfnissen ausrichten. Deswegen wüsste ich gerne, warum gehen Chinesen in ein Autohaus? Recherchieren sie vorher schon viel und sind sich dann schon sicher, welches Modell sie wollen, wenn sie zu uns kommen? Oder wollen sie sich nur umschauen und starten dann erst ihre Recherche? Was bedeutet ein Auto für sie? Jede Info für mich wäre hilfreich. Ich danke dir und toller Blog!! Liebe Grüße, A.“


OMG. Das ist eine ungewöhnliche Frage, eine praktische und eine, bei der ich mich umhören musste. Los geht’s, auch wenn wir letztlich spekulieren. Ein Großteil jener Chinesen, die sich Ende der 80iger Jahre in Berlin niedergelassen hat, zählt zur chinesischen Bildungs-Elite. Die Frauen und Männer verließen nach dem Öffnen der Grenzen als eine der ersten ihr Land, um anderswo zu promovieren, zu lernen und zu schauen, was die Welt außerhalb Chinas so zu bieten hat. Auch wenn der Start manchmal holprig war, die Berliner Chinesen, die ich kenne, sind heute (fast) alle beruflich unglaublich erfolgreich. Und sie zeigen das auch gern. Sie fahren Mercedes.

Wir vermuten allerdings, dass deine Kunden chinesische Touristen sind. Auch in China ist das Auto nicht nur zum Fahren da, sondern auch zum Präsentieren. Nach den Jahrzehnten der Entbehrungen wollen die Leute offensichtlich zeigen, dass sie es geschafft haben finanziell erfolgreich zu sein. Autos sind in China teuer, abgesehen von den Luxus-Marken Ferrari und Lamborghini, besonders die Exemplare aus deutscher Produktion. Auch wenn der chinesische Normal-Verbraucher die deutschen Modelle kaum kaufen kann, genießen sie sehr hohes Ansehen bei den potentiellen Käufern. Sie hätten also gern eines. Reisen die Chinesen jetzt durch Deutschland, dann zieht es sie auch in ein deutsches Autohaus. Sie wissen bereits genau, was sie gern haben wollen, denn es gibt in China sowohl Produktionsstätten deutscher Firmen, wie VW in Shanghai, als auch Autogeschäfte. Fachlich up to date wollen sie ihren „Liebling“ wenigstens betrachten und manchmal auch berühren. Sie stellen fest, dass die Fahrzeuge genauso toll aussehen wie in China und – dass sie auch noch günstiger zu haben sind. Ab dem Moment quält den potentiellen Käufer nur noch eine Frage: Wie bekommt er das Ding in sein Heimatland?

Wie kann es sein, dass in China die Fahrzeuge derart teuer sind? Ein Auto zu kaufen ist Luxus, das Autofahren mancherorts ein noch größerer. Preise für PKW-Kennzeichen können plötzlich in einer Stadt oder Region explodieren und so teuer sein wie das Auto selbst. Letzten Dezember lag der durchschnittliche Auktionspreis bei etwas über 95.000 Yuan (12.200 Euro). Auktionspreis? Genau. Seit drei Jahren können die Chinesen ihre PKW-Kennzeichen nicht mehr einfach beantragen, denn die müssen sie ersteigern bzw. in einer Lotterie gewinnen. Die lokalen Termine erfährt man bei der Polizei. Dieses uns seltsame Procedere führte die Regierung ein, um den Verkehr in ausgewählten Großstädten nicht kollabieren zu lassen und die Einwohner zu umweltfreundlicherer Fortbewegung zu motivieren. Hinzu kommt: Millionen Chinesen wollen ein neues Auto, doch nur ein Bruchteil darf eines kaufen. Die Zulassungen sind beschränkt, ebenfalls um einen Verkehrskollabs zu verhindern.

Bei »china9 habe ich u. a. folgende Tabelle entdeckt. Allerdings konnte ich nicht entdecken, wann genau der Artikel publiziert wurde. Vermutlich ist er etwa drei Jahre alt, wegen der noch relativ geringen Preise für die zu ersteigernden Nummernschilder:

Automarke / Modell: Ungefährer Preis: Anmerkungen:
Audi A4 1.8T 32.136,– €
Audi A6 1.8 29.800,– €
BMW 320i 21.836,– €
BMW 520i 26.013,– €
Mercedes C200 34.185,– €
Mercedes E240 47.518,– €
VW Sharan 1.8T 17.690,– €
VW Passat 930,– € / Monat Monatliche Leasingrate für einen VW Passat.
VW Santana 2000 12.000,– € In China sehr verbreitet, daher kann man den Santana günstig an jeder Ecke reparieren lassen, wenn mal was kaputtgeht.
VW Santana 3000 16.000,– € Das gleiche Auto wie oben, nur etwas größer und teurer.
Toyota Camry 30.900,–€
JAC Van 15.000,– € Günstiger chinesischer Van, allerdings bei Unfällen nicht sehr sicher.

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