Reingehört: Nichts für schwache Nerven – die Peking-Oper

Beim Plaudern mit flurdab und anderen Interessierten zu den » lärmenden chinesischen Park-Orchestern fiel auch das Stichwort ‚Peking-Oper‘. Meine erste Bekanntschaft vor etwa 20 Jahren bei einem Gastspiel in Berlin war ernüchternd: Konfus. Schrill. Nie wieder! Alles braucht seine Zeit und manchmal einen zweiten Anlauf. Bei unserer China-Reise mit Freunden wollten wir bei einer echten Peking-Oper dabei sein. Wir waren vorbereitet: Welche Oper sehen wir? Worum geht es da? Masken, Haartracht, Kleidung, … . Doch dann …   

Leben im Konzertsaal

Peking-Oper – die Musiker sitzen seitlich

… staunen wir beim Betreten des „Chang’An“ in Peking: Das Operntheater ist ein Mix aus Bürogebäude oben und Theater unten. Das 5-Personen-Orchester sitzt rechts neben der Bühne, davor in mehreren Sitzreihen mit Tischchen trinken die Leute Tee und verputzen Snacks. Ein Gong ertönt, ein Sprecher bittet das chinesische Publikum um Ruhe und ausgeschaltete Handys. Die Akteure betreten die Bühne, singen die ersten Töne ihrer markanten Melodien, doch das Gebrummel im Saal hält an. Singen, Tanzen, Kampfkunst, … –  die Pekingoper vereint alles. Aber feierliche Vorstellung? Tee schlürfen, plaudern, … man fragt sich, ob überhaupt jemand zuhört. Ein durchdringendes Falsett ertönt. „Hao!“ (Gut!) rufen die Zuschauer, Applaus und fotografierende Smartphones blitzen auf. Etwa 40 Minuten nach Vorstellungsbeginn quetschen sich zwei Busladungen Opernfans in ihre Sitzreihen, ein anderer Trupp verlässt den Saal, um weitere 20 Minuten später fünf Reihen weiter hinten wieder aufzutauchen. Abrupt ist Schluss. Applaus. Fans stürmen mit Geschenken auf die Bühne. Und wir? Stellen fest: Alles läuft anders in einer chinesischen Oper denken wir und verlassen amüsiert-irritiert das Spektakel.

Jetzt: Ihr! 🙂   Neben verschiedenen typischen Gesängen im Hintergrund hört ihr den Murmel-Teppich (deutlicher ab 01:00) und auch Zwischenapplaus. | 04:31 min.

Der ‚Meister der Töne‘:
Axel. (Danke für Aufnahme, Schnitt & Co von unserer Reise)

Kleine chinesische Opern-Kunde

Die chinesische Oper gehört zu den ältesten Formen des Musiktheaters weltweit, geht aber mit Elementen wie Pantomime, Tanz oder Kampfkunst weit über die uns bekannte Form der Oper hinaus. Die bedeutendste Variante ist die Peking-Oper, deren Repertoire seit 1790 auf über 1300 Stücke angewachsen ist; gespielt werden allerdings max. noch 100. Die Ursprünge reichen weit in die Geschichte zurück; großen Einfluss auf die Entwicklung hatte beispielsweise das Kunqu, eine Singspielform, die sich zur Zeit der Ming-Dynastie entwickelte. 2010 wurde die Pekingoper von der UNESCO zum Immateriellen Weltkulturerbe erklärt. Die Symbolik durchzieht alle Elemente und gewinnt aus der Kombination von Gesichtsbemalung, Maske und Kleidung sehr präzise Charakterisierungen der dargestellten Person.

Ein Beispiel: Der Eroberer von Chu, Xiang Yu, ein bekannter Mann in der chinesischen Geschichte, war nach der Überlieferung ein schöner Mann. Aber weil er sehr rabiat war und viele Menschen umbrachte, wird sein Gesicht bunt geschminkt. Weil seine Geschichte eine Tragödie ist, werden neben seine Augen zwei schräge schwarze Schatten gemalt. Das sieht aus, als würde er weinen. Die Hauptfarbe des Gesichts ist weiß. Sie bedeutet, dass die Rolle abgefeimt und gnadenlos ist.*

*Quellen & weiterführende Informationen (abgerufen am 08.04.2018):
artelino.com: Chinesische Oper
China Guide: Chinesische Oper

3 thoughts on “Reingehört: Nichts für schwache Nerven – die Peking-Oper”

  1. Hallo Yùnzhi,

    die Materie interessiert mich sehr, dennoch werden wir Westler wohl nicht recht diese Gattung begreifen, nehme ich mal an. Dass, was wir ignoranterweise als „Gejaule“ bezeichnen könnten ist die Umsetzung der chinesischen Tonsprache mit den fünf Tönen. Das bedeutet dann eben, daß man keine Töne singt, die exakt die gleiche Tonhöhe haben, sondern die Tone müssen dann eben angejault werden. Auch in der chinesischen Instrumentalmusik gelten exakte westliche Tonhöhen als langweilig und unnatürlich. Wir wieder müssen uns lange einhören, um die Schönheit und Philosophie dieser Musik zu empfinden. LG

    1. Hallo Bianca,
      ja eben, dass die fünf Töne auch beim Singen eine Rolle spielen, ist ein toller Aspekt. Danke dir.
      Gewöhnungsbedürftig bleibt die Musik dennoch für mich. Oder noch? Bislang kenne ich nur einen begeisterten Fan – die Mutter von Herrn P..
      Lieben Gruß

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