Die gestempelte Unterschrift

Jeder Chinese, der etwas auf sich hält, besitzt einen Stempel mit seinem Namen. Also auch Herr P.. Sobald er ein neues Buch sein eigen nennt, schnappt er sich den kleinen Jade-Stein, drückt ihn in ein Töpfchen mit leuchtend roter Farbe, schlägt die erste Seite seines neuen Buches auf und drückt sein Siegel ins Papier. Zack, schon gehört das Werk nachweislich ihm. Unterschreiben per Siegel – wer kann das in Deutschland schon? Bei meiner ersten Reise nach China 2008 wusste ich: so ein eigenes Stempelchen, das wär’s. Die Sache hatte nur einen Haken.

Stempel01

2008 in Suzhou: Klangvoll, schön, beudeutungsvoll – die Familie denkt über die Zeichen meines ersten Stempels nach.

Welche chinesischen Schriftzeichen passten zu meinem deutschen Namen? Meine Verwandten überlegten. Es sollten Zeichen sein, die den Klang meines Namens wiedergaben, sie sollten schön aussehen und zu mir passen. Dann suchten sie einen prachtvollen Jadestein aus und gemeinsam gingen wir zum Graveur. Mehrere Jahre hütete ich mein Stempelchen, drückte es von Zeit zu Zeit in ein kleines Töpfchen mit leuchtend roter Farbe und signierte mein neues Buch. … Vor zwei Jahren bekam ich einen neuen Namen. Einen chinesischen. Yùnzhi. Ein Geschenk meiner Familie. Ein Jahr lang knobelten sie an dem Projekt. Und – sie schenkten mir ein neues Stempelchen. Mit Widmung. Großartig!

Chinesische Siegel

Los geht’s – mein zweiter chinesischer Namensstempel entsteht:

 

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Mein Namenssiegel: Pan Yùnzhi

Kleine Stempelkunde

Chinesische Stempel und Siegel gibt es bereits seit der Shang-Dynastie, 16. bis 11. Jahrhundert v. Chr., mit deren Einsatz Dokumente beglaubigt werden sollten. Siegel aus Jade waren besonders kostbar – und symbolisierten die Zugehörigkeit zum Adel. Doch auch in der Bevölkerung setzte sich der Brauch der Signatur durch, eine Besonderheit im asiatischen Kulturkreis.

Traditionelle chinesische Bilder und Kalligrafien zeigen ebenfalls rote Namensstempel der Urheber. Verrückt: in China stempeln nicht nur die Künstler ihre Werke sondern auch die Kunstmäzene. 2009 ernannte die UNESCO das chinesische Siegelschnitzen zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit.

Die seitliche Gravur, die Widmung, die ich zu Hause rot färben werde:

Die seitliche Gravur, die Widmung, die ich zu Hause rot färben werde:

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