Mythos: Fünf-Gewürze-Pulver

Jeder Chinese, der etwas auf sich hält, verwendet beim Kochen das Fünf-Düfte-Pulver. Heißt es. Der Gewürz-Cocktail aus Zimt, Nelke, Sternanis, Fenchel und Sichuan-Pfeffer – er soll ein Klassiker der chinesischen Küche sein. Haben wir das Wundermittel in unserem Haushalt? Haben wir. Doch wir verwenden es nicht. „Was für Anfänger“, meint Herr P. Und seine Eltern in Shanghai? „Lieber nicht. Zu stark im Geschmack.“ Auch die chinesischen Freunde in Berlin besitzen zwar das Pulver oder haben von ihm gehört, würzen damit aber nie. Weitere Ermittlungen führen in Berlin zu einem Chinesen, der es in seiner Küche einsetzen soll. Er ist bekannt. Er kann nicht kochen. Beim Essen kennen die Chinesen kein Pardon. Ich verstehe. Dabei stammt unsere Mischung aus China.

Doch bei den Zutaten naht die nächste Verwirrung: Zimt, Fenchelsamen, Sternanis und dann folgen Ingwer und Mandarinenschalen. Definitiv kein Klassiker. Weiter helfen Familie und Freunde: fünf Bestandteile können enthalten sein, müssen aber nicht. Auch Mischungen mit sechs, sieben und mehr Zutaten sind möglich: Pfeffer, Zimt, Sternanis, Gewürznelken, Fenchelsamen. Auch Kurkuma, Kardamom, chinesisches Süßholz und getrocknete Orangenschalen können im Pulver-Mix stecken. Das Besondere der chinesischen Küche bleibt: Während wir bei Kombinationen mit Zimt, Sternanis und Nelke vor allem Weihnachtsplätzchen und Glühwein im Sinn haben, punktet die chinesische Küche mit herzhaften Rezepten fürs Schmoren mit Ente, Rind oder Schwein. Doch auch da gilt: Wer als Koch etwas auf sich hält, Hände weg vom Fünf-Düfte-Pulver.

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