Momentaufnahme: Hühnerfüße als Snack

Kann man Hühnerfüße essen? Man kann. „Es macht schön“, sagen chinesische Freunde, weshalb in China besonders junge Frauen an den knorpeligen Teilen herumknabbern. Angeboten werden sie überall: in Restaurants und als Snack für unterwegs an Ständen an der Straße. Auch einige Berliner China-Restaurants listen Hühnerfüße in ihrer Speisekarte, wie das ‚Do De Li‘ in der Kantstraße. Es gibt knusprige Varianten mit Sojasoße und es gibt blässliche geschmacksneutrale. Das kollektive Nagen an den fleischarmen Extremitäten des Geflügels kann aber auch ganz andere Gründe haben.

Der Sinologe und Auslandskorrespondent Kai Strittmatter:

„… Im Urteil über Chinas Essensgebräuche sollten Europäer zweierlei nicht vergessen. Erstens: dass ein Großteil der uns verdächtigen Gerichte hat seinen Ursprung in dem Jahrtausende währenden Kampf gegen Hunger, der dieses Volk dazu zwang, restlos alles zu verwerten was Kalorien liefert. Deshalb das Kauen auf Hühner- oder Entenfüßen, … . Zweitens gibt es auch innerhalb Chinas große Kulturgräben. Meist finden wir Europäer uns da in einem Lager mit den Nordchinesen, die es angesichts der Speisekarte ihrer südchinesischen Landsleute ebenso schüttelt wie uns. Jene mit Käfigen und Aquarien voll gestellten Eingangshallen, die einen lebendigen Querschnitt durch sämtliche ‚National Geographic‘-Artikel der letzten fünf Jahrzehnte zu bieten scheinen, gehören fast immer zu kantonesischen Restaurants. …“*

Snack für unterwegs: Hühnerfüße im Straßenverkauf in Suzhou

Quelle: Kai Strittmatter: Gebrauchsanweisung für China, Piper Verlag, 3. Auflage 2005, S. 105

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