Der Richter aus Leverkusen und der chinesische Hahn

Dieser Tage am Amtsgericht Leverkusen: Ein Richter verurteilt die Beklagte zur Zahlung der Anwaltsvergütung und zitiert in den Entscheidungsgründen – mit einer chinesischen Geschichte. Jetzt wird der Mann wegen seiner klaren Worte gefeiert: „In einer idealen Welt wären Gesetze so klar formuliert, wie der chinesische Hahn gezeichnet wurde – und alle, die lesen können, würden in der Lage sein, sie zu verstehen, sie sich in Streitfällen vorzulesen & abzuwägen – und wir würden (fast) ohne Anwälte auskommen. 😉 „

Er zitierte in den Entscheidungsgründen wie folgt:

Quelle: @ThomasKlaes1 via Twitter 06/2020, Aktenzeichen des Urteils: AG Leverkusen, 27 C 135/19

Erzählung vom chinesischen Kaiser, dem Maler und dem Bild vom Hahn

Yuchi Yang auf Pixabay

Hier gibt’s die vollständige Geschichte, wobei ich vermute, dass mehrere Abwandlungen existieren:

Einst gab es einen Kaiser, der Hähne liebte. So beauftragte er eines Tages den zu seiner Zeit berühmtesten Maler des Reiches, ihm einen solchen zu zeichnen. Zu des Kaisers Verwunderung entgegnete der Maler, dass er für das Bild drei Jahre benötigen würde. Verwundert und innerlich unzufrieden, willigte er dennoch ein. Nachdem die drei Jahre vergangen waren, befahl der Kaiser den Maler zu sich.

„Wo ist mein Bild?“, fragte er den Künstler ungeduldig, der ruhig ein Blatt Papier zur Hand nahm und zu malen begann. Sein Pinsel flog übers Papier und in kaum drei Minuten entstand ein Hahn in all seiner Lebendigkeit. Der Kaiser sah’s und geriet in Zorn: „Führst du hier absichtlich deinen Fürsten hinters Licht? Du brauchst alles in allem drei Minuten für das Tier, warum lässt du mich dann drei Jahre warten?“ Doch der Maler sprach: „Beruhigt Euren donnernden Zorn, dann folgt mir und seht selbst.“ Der Maler führte den Kaiser sogleich vor ein großes Haus, stieß die Tür auf und mit einem Blick ins Innere wurde man gewahr, dass das Haus bis unter die Decke angefüllt war mit Skizzen von Hähnen. Daraufhin sprach der Maler zum Kaiser: „Dies hier sind meine Arbeiten der letzten drei Jahre. Wie hätte ich ohne diese Anstrengungen in wenigen Augenblicken solch einen perfekten Hahn für Euch zeichnen können?“

Quellen:
Mal schnell gezeichnet: Die Geschichte vom Kaiser, der eine Zeichnung von einem Hahn haben wollte

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.