Klischee: Im chinesischen Supermarkt

oder der Mythos von Reis und Unansehnlichem in schmucklosen Hallen

„… und ich komme nicht umhin, mir vorzustellen, wie die Produktpalette in einem Aldi-Markt in Shanghai  aussehen mag. Vielleicht so: Gleich vorne links stapeln sich Reis, Reisnudeln und Krabbenchips. Auf der rechten Seite folgen grüner, schwarzer und Jasmintee, weiter den Gang entlang gibt es getrocknete Fischflossen und anderes unansehnliches Getier. Der Rest der Regale ist mit Yum-Yum-Fertignudeln in etlichen Varianten gefüllt. …“ schreibt meine Lokalzeitung*¹


Supermarkt-Parcours 

Höchste Zeit, einen chinesischen Supermarkt zu besuchen. Und weil hier von einem Supermarkt in Shanghai die Rede ist, geht es auch genau dort hin. Am besten weitab der Touristenströme. Der Markt liegt am Rand der Stadt, in der Nähe wohnen meine Schwiegereltern. Ich bin häufiger hier. Noch nie sah ich eine Langnase an den Regalen entlang wandern. Los geht’s, werfen wir einen Blick hinein. Tür auf und ich stehe vor 60 Kassen …

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Der Beitrag der MAZ endet so: „… Bundeskanzlerin Merkel hat kürzlich schon eine erste Annäherung gewagt. Beim Staatsbesuch entführte sie den chinesischen Premierminister Li Keqiang in ihren Stammsupermarkt ‚Ullrich‘ in Berlin. Sie zeigte ihm die deutsche Warenwelt – Li Keqiang lächelte nur höflich. Wenn er in Peking aber bald das erste Mal ein blaues Aldi-Schild vor einer schmucklosen Halle sieht, wird er wohl an die Kanzlerin denken.“*¹

Kleine Supermarkt-Kunde
超级 chāojí = super (Supermarkt)

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Gegart wird im Supermarkt auch.

Größere Supermärkte gibt es in vielen Teilen Chinas erst seit wenigen Jahrzehnten, weil bis in die 1980er Jahre hinein staatliche Lebensmittel-Zuteilungen verbreitet waren. Aber sie holen auf. Und auch internationale Ketten haben den chinesischen Markt entdeckt, wie: Wal Marts, Tescos, Carrefours oder Metro. Gefühlt gibt es alles: Weine (Great Wall), Trockenfrüchte, Samenkerne, Tee, Waschmittel, Technik, tiefgekühlte Teigtaschen und Reismehlbällchen mit Sesampaste, …. Das Wort ‚Markt‘ macht dem Angebot alle Ehre.

Das Warenangebot ist überaus vielfältig und – frisch. Zu den uns bekannten Früchten kommen chinesische Spezialitäten hinzu, wie die pinke Drachenfrucht oder die exotische Durian-Frucht, die wohl bekannter unter ihrem Namen Stinkefrucht daherkommt. Frisch mögen es die Chinesen auch bei Fleisch und Fisch. Letzterer schwimmt noch lebend im Wasserbecken umher, und wird auf Wunsch des Kunden vor Ort fertig zerlegt. Was man hingegen vergeblich sucht ist eine Käsetheke. Und auch mit dem europäischen Brot haben sie es nicht so. Eine kalte Mahlzeit ist in China keine vollwertige Mahlzeit.

Quelle:
*¹ – Märkische Allgemeine Zeitung vom 25.11.2014, S .24. | Hintergrund war die Nachricht, dass Aldi Süd auf den chinesischen Markt expandieren will.

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