Die Fahrrad-Rikscha

Die Fahrrad-Rikscha: das Dreirad, das als Taxi fungiert. Hinten sitzen bis zu zwei Fahrgäste, vorn tritt der Fahrer in die Pedale. Wann immer ich in China unterwegs bin, nutze ich auch das Gefährt: mit meiner chinesischen Familie durch die Gassen von Suzhou und mit Freunden durch die Hutongs Pekings. Ihr meint, das sei verwerflich?  An der Rikscha klebt tatsächlich das koloniale Stigma der Ausbeutung. Vermutlich, weil, anders als beim Verputzen von Schokolade, hier die körperliche Arbeit sichtbar ist. Das trifft vor allem auf die mit Hand gezogenen zweirädrigen Wagen zu. 

Stigma Ausbeutung

Maos Regierung verbannte in den 50iger Jahren die von keuchenden Kulis gezogenen Vehikel aus dem Straßenbild. Ausnahmslos. Die Fahrrad-Rikscha jedoch blieb. Sie kam 1874 von Japan nach Shanghai und rollte bald überall in den Straßen umher. Auf den Ursprung des Gefährts deutet das japanische Wort „jin-riki-sha“ hin, die „Mann-Kraft-Maschine“. Wer sie erfunden hat? Geschichten gibt es jede Menge. Vermutlich war das Dreirad jedoch für die kräftiger gebauten Europäer in Tokio gedacht, die einfach nicht in die engen japanischen Sänften passten.

Und heute? Die Fahrrad-Rikscha, die heute das Bild der chinesischen Städte prägt, wurde etwa 1935 erfunden und gewann rasch an Popularität, wohl auch, weil Kraftstoff für Motor betriebene Fahrzeuge im Zweiten Weltkrieg knapp geworden war. Damals wie heute dienen die Rikschas zur Existenzsicherung. Doch während sie in Europa als Öko-Vorbild im Nahverkehr daherkommen, sehen wir sie in Asien als Sinnbild des Rückstands. Dabei – seit den Olympischen Spielen ist in China ein besonderes Model unterwegs: ein Dreirad mit dem Heck eines Mini Clubman. Der Fahrer setzt immer noch auf Muskelkraft. Er fährt abgasfrei. Eine Wohltat für die Smog geplagten Metropolen.

Quellen:
pro Rikscha | german.china.0rg: Neue Rikscha in China (abgerufen am 02.01.2016)

2 thoughts on “Die Fahrrad-Rikscha”

  1. Ein Artikel, den ich mit Interesse gelesen habe, gut bebildert, und dessen Aussage ich gern bekräftige. Einmal was die Rolle der Rikschas in China angeht, ich war selbst vor einiger Zeit in China mit „China by Bike“ unterwegs, zum zweiten, was den Rikschaeinsatz in Deutschland angeht, ich bin seit ca. 10 Jahren in meiner Freizeit mit der Rikscha für Stadtführungen in Hamburg unterwegs (siehe: https://www.hamburg-by-rickshaw.de/ und das entsprechende Angebot für Prinzesinnen hier: https://www.elb-plaza-philharmonie.guide/about-us/).
    Chinesen oder Ostasiaten, die ich mitunter fahre, wundern sich immer wieder, dass ich mich selbst so ausbeuten würde. Ich versuche dann Verständnis zu erzielen, dass Rikschafahren für mich primär ein Sport ist, der mir auch noch bezahlt wird und zudem hilft die Mobilitätswende in unseren Innenstädten zu beschleunigen….
    Von Interesse ist vielleicht in diesem Kontext noch, dass das Modell Cruiser, wie ich es fahre, inzwischen auch in China gefertigt wird. Allerdings etwas schwerer und mit mehr Motorleistung.
    Der gegenseitige Technologietransfer ist also offensichtlich.

    1. Mit einer Antwort hat etwas gedauert, doch jetzt … habe ich Ihre Rikscha-Seite in Hamburg beäugt und freue mich, dass wir zu diesem Thema so offensichtlich eng beieinander liegen. Ein ausgefallenes Hobby haben Sie da und ich kann mir aus meinen Erfahrungen heraus gut vorstellen, dass chinesische Touristen darüber etwas erstaunt ist. Darf ich fragen, wann Sie per bike durch China unterwegs waren und wo Start und Ziel waren?

      Nach mehreren Reisestopps – privaten und bedingt durch Corona – sehne ich mich schon sehr danach, mal wieder vor Ort zu sein und wer weiß – vielleicht entdecke ich dann auch Ihren Modell-Cruiser.

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