Das chinesische Tattoo

Liebe. StĂ€rke. Macht. Und das soll jetzt auf den Arm tĂ€towiert werden? Macht. Bis zu dieser Bitte schien mir der junge Mann ein kuscheliger Typ zu sein und nun das. Nun möchte er so ein martialisches Tattoo. UrsprĂŒnglich sollte es ein thailĂ€ndisches Werk werden, aber die Sache war meinem Lieblingskellner zu heikel. Zu viele widersprĂŒchliche Ergebnisse. Nun probiert er es mit Chinesisch. Und mit mir. Liebe, StĂ€rke, Macht – ich lege los.

爱ćŒș权 – die chinesischen Zeichen fĂŒr diese drei Worte sind kein Hexenwerk. Der Kontext hingegen schon. Denn aus der Liebe wird ein Verb und aus dem TrĂ€ger der TĂ€towierung ein Mensch, der Macht und Gewalt liebt. Ein unangenehmer Zeitgenosse, ein gieriger Charakter (chinesisch: èŽȘ). Meine Chinesen sind entsetzt. Was ist das fĂŒr einer? Und sie ĂŒberlegen. Das Wort fĂŒr ‚Ruhe, in sich sinnieren‘ (chinesisch: 静) könnte passen. Die chinesische Philosophie sagt, dass sich Liebe und StĂ€rke aus der Ruhe entwickeln. Die Ruhe ist die Macht ĂŒber alles. Das werde ich ihm vorschlagen. Am Donnerstag ist es soweit.

Donnerstag:

Die „Innere Ruhe als Zeichen der StĂ€rke“, das chinesische Zeichen erfĂ€hrt freudige Aufnahme im Tattoo-Kosmos meines Kellners. Er findet sich in diesem Kontext besser aufgehoben. Auch das Zusammenschrumpfen auf ein Symbol – kein Problem. Er hat nachgedacht, das Werk soll jetzt den Nacken zieren. Na bitte. Wer mag da schon drei Zeichen?  😉

Aktualisierung vom 29.01.2016:
„Und? Was ist jetzt mit dem Tattoo?“ Ich konnte die Nachfragen der letzten Wochen nicht beantworten. ‚Mein‘ Kellner war – abgetaucht. Eine Auszeit. Andere Dinge waren wichtiger. Seit gestern bin ich im Bilde. Das Tattoo ist wieder im Fokus. Ein richtig gutes Studio soll es werden. Nun spart er … .

5 thoughts on “Das chinesische Tattoo”

  1. „Was ist denn nun?“, bin ich dieser Tage mehrfach gefragt worden. Und „Bleibst du dran?“. Der junge Mann hatte letzten Donnerstag frei. Und – klar, ich hefte mich ran 🙂 . Bin ja selbst neugierig. Total.

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