Chinesisches Mondfest auf der Havel

Das diesjährige traditionelle Mondfest ist ein besonderes, denn das laut chinesischem Mondkalender von Jahr zu Jahr zwischen September und Anfang Oktober variierende Fest fiel 2020 auf den 1. Oktober und das wiederum ist der Nationalfeiertag der Volksrepublik China. Also gibt’s Aufregung in China und ein wenig auch bei uns, denn wir feiern das Mondfest in diesem Jahr gleich zwei Tage lang.

Mit Freunden sind wir morgens auf dem Floß von Werder nach Brandenburg getuckert, haben die Sonne genossen, gebadet, chinesische Nudelsuppe verputzt und Würstchen einer lokalen Fleischerei. Die Havel hatten wir sensationell (fast) für uns allein, die vielen Wildvögel auch. In Brandenburg an der Havel gab’s Landgang und Abendbrot fürs nächtliche Durchhaltevermögen. Und weil das Mondfest das lyrischste aller chinesischen Feste ist, haben wir zwar auch Mondkekse verputzt, unseren Erdtrabanten genau beobachtet und geschwatzt, aber auch den Mond mit chinesischen und deutschen, alten und neuen (!) Songs besungen, Gedichte rezitiert und überhaupt. Der Himmel war klar, der Mond gut zu sehen und auch die Nebel am nächsten Morgen – sie waren irgendwie großartig! 🙂

静夜思
李白

床前明月光,
疑是地上霜。
举头望明月,
低头思故乡。
Stille Nachtgedanken*
Li Bai
(Dichter, 701 – 762 n. Chr., Tang-Dynastie)

Vor’m Bette seh‘ ich des Mondes Schein grell,
mir ist, als decke den Boden ein Reif.
Ich hebe den Kopf in den Lichtschein hell,
ihn senkend, mein Gedanke in die Heimat schweift.
* Eingangsbild – Quelle: Yan Zhao, Dieter Ziethen: Leise hör‘ ich Blüten fallen: Gedichte aus der chinesischen Klassik. Hefei Huang Verlag, 1. Auflage, 2009, S. 28

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