Chinesische Nudelei

Heute ist Weltnudeltag. So sonderbar das klingt, den gibt’s tatsächlich. Doch viel spannender ist die Frage: Wer hat die Nudel erfunden? Vermutlich die Italiener? Mama mia, so einfach ist die Sache nicht. Im Streit um die Herkunft der Nudel liegt seit neun Jahren China vorn. Forscher der Wissenschaftlichen Akademie Peking entdeckten 2005 die Steinzeit-Exemplare bei Ausgrabungen am Ufer des Gelben Flusses: 4000 Jahre alt, etwa 50 Zentimeter lang, 3 mm Durchmesser und aus Hirse.

Im Notfall auch als Instant-Nudel

Und Marco Polo? Brachte er, wie lange vermutet, die Nudel Ende des 13. Jahrhunderts von China nach Europa? Mitnichten, Griechen und Römer kannten Teigwaren seit der Antike. Abbildungen in Gräbern der Etrusker aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. zeigen Teigzange, Nudelholz und Teigrädchen. Was der Venezianer offensichtlich in seinem Gepäck hatte, waren mehrere Nudelsorten und chinesische Rezepte. Beteiligt am Siegeszug der Nudel auf die Teller der Nationen sind die Araber, denn sie waren die ersten, die die Teigfäden trockneten und damit haltbar machten.

Die längste Nudel – die Geburtstagsnudel

TIPP: Nudelsuppen zum Selbstgaren – das ‚Do De Li‘ in der Berliner Kantstraße

Doch zurück zu den Chinesen, in deren Kultur es für fast alles einen symbolischen Hintergrund gibt. Natürlich auch für die Nudel. Sie gilt als Symbol für Langlebigkeit, sagt meine chinesische Familie. Weil sie so schön lang ist. 🙂 Hätte man auch selbst drauf kommen können. Wer während seines Geburtstages in China weilt, kann seinem Glück auf die Sprünge helfen und sich Geburtstagsnudeln bestellen. Schöne lange, versteht sich. Und dann, Vorsicht beim Essen, bloß nicht zerteilen, das bringt Unglück. Nicht, dass ich daran glaube, ich wollte es nur gesagt haben.

Ein richtiges Ritual gab es hingegen in China, wen einer der Nachbarn wegzog. Dann kochten die Zurückbleibenden zum Abschied ein Essen mit schönen langen Nudeln. Die symbolisierten die enge Verbundenheit zum Wegziehenden, auch über eine lange Distanz hinweg. Das ist wenigstens 30 Jahre her und wohl als Tradition verloren gegangen. Mir gefällt die Sache.

Wie essen Chinesen ihre Nudel-Suppe?

Chinesen und Nudelsuppe? Das geht immer. Morgens, mittags, abends. Schöne lange Nudeln in heißer Brühe, gern auch ein wenig scharf. Der einzige Weg, die langen Teigteile unfallfrei aus der Suppe zu angeln sind – Stäbchen. Die Brühe selbst wird oft aus dem Schälchen getrunken, das heißt, mehr oder weniger geräuschvoll geschlürft. Eleganter funktioniert es mit dem typischen chinesischen Porzellan-Löffel, den die meisten von uns aus den China-Restaurants kennen. Den Löffel verwenden die Chinesen auch für Speisen, die sich mit Stäbchen nicht so leicht greifen lassen, wie schwabbeliger Tofu (Doufu). Der wird dann mit den Stäbchen auf den Löffel geschoben, der dazu in der linken Hand gehalten wird.

Das komplizierteste chinesische Schriftzeichen – eine Nudel

Was soll man davon halten? Das komplizierteste chinesische Schriftzeichen ist für die Biangbiang-Nudeln reserviert. Die Leckereien findet man in der Provinz Shaanxi im Nordwesten Chinas, wo sie zu den acht Merkwürdigkeiten zählen. Das Besondere an diesen Nudeln ist ihre Dicke und Länge und – das Schriftzeichen. Wer es mal nachzeichnen mag, bitteschön, hier gibt’s die Vorlage. Und jetzt unbedingt noch die Zeit stoppen.  🙂


Bei der manuellen Nudel-Herstellung in China wurden die Nudeln im Freien in der Sonne getrocknet (ca. 1939–1945)

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Bei der manuellen Nudelherstellung in China wurden die Nudeln im Freien in der Sonne getrocknet (ca. 1939–1945) | Foto: gemeinfrei | Cecil Beaton – http://media.iwm.org.uk/iwm/mediaLib//38/media-38302/large.jpg | This is photograph IB 3533C from the collections of the Imperial War Museums.

 

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Quellen:

GEOlino: Die lange Reise der Nudel
WDR ‚Planet Wissen‘: Nudeln

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