Yangshuo – Verwirrendes, radelnd durch die Felder & am Drachen-Fluss

Chinas Karsthügel-Landschaft am Li-Fluss ist einzigartig – am schönsten soll sie bei Yangshuo sein. Außerdem gilt der Ort als die preisgünstige Alternative zu Guilin und ist mit seinen 200 000 Einwohnern ein beschauliches Städtchen. Zur Sicherheit: das „beschaulich“ bezieht sich lediglich auf die Größe des Ortes. Getöse, also ‚renao‘, wird auch hier hingebungsvoll praktiziert (Start, leider ohne Ton).

Hitler, Che & Obama

Verwirrend sind die Dinge, die wir im Stadtzentrum entdecken: Hitler neben Ernesto „Che“ Guevara und Barack Obama auf Streichholzpackungen nebst obszönen … nun ja. Eine junge Frau, die für ihr Vaterland kämpfen möchte und das eindringlich demonstriert, aber auch: Werbung für die Polizei mit Riesenplakat an einer Hauswand.

Und da ist die Show „Impression Liusanjie“ (Bild 5), ein Freiluftspektakel auf dem Li-Fluss und vor angeleuchteten Karstbergen. Die Show läuft seit zehn Jahren und wurde von Chinas bekanntestem Regisseur Zhang Yimou (Chefregisseur der Eröffnungsshow der Olympischen Spiele) inszeniert. Unsere Vorstellung ist ausverkauft, das Stück endet abrupt, das Publikum prescht noch vor dem erahnten Schluss zu den Ausgängen. Aber das kennen wir ja bereits von der Peking-Oper. Wir acht Langnasen erheben uns und versuchen uns in tosendem Applaus. Ein Chinese, zwei Reihen vor uns, wendet sich uns zu und nickt lächelnd.

Radelnd durch die Felder nach Liugong

Katie Melua besang sie noch, die „Nine million bicycles in Bejing“. So romantisch der Song daherkommt, weder in Bejing, noch in den kleineren Orten sind Fahrräder das Fortbewegungsmittel Nummer eins. Elektro-Roller haben sie ersetzt und bestimmen neben hochwertigen Automobilen das Straßenbild. Dennoch: wir radeln los, über Land von Yangshuo nach Liugong. Ein holpriger Weg führt durch saftig grüne Felder. Wir kosten schwarzen Sesam, sehen Felder mit Wasserkastanien und Erdnusspflanzen.

Sogar eine Art Erdnussöl-Fabrik entdecken wir: die getrockneten Erdnüsse werden hier von ihrer Schale befreit, die Samen über Siebe gereinigt, auf Walzenstühlen zerkleinert und in Schneckenpressen kalt gepresst. Ein Restgehalt an Öl bleibt in einer Art Presskuchen, der verfüttert wird, aber auch uns schmeckt. Zurück geht es per Boot, die Fahrräder an Bord. Bis auf ein paar einheimische Angler und einem Kormoranfischer haben wir den Fluss für uns allein.

Typisch Chinesisch: Berg und Wasser am Drachen-Fluss

Und noch einmal, ein letztes Mal, setzen wir unsere Reise mit dem Floß fort, dieses Mal aus Bambus, zu zweit und unter bunten Sonnenschirmen. Auf dem Drachen-Fluss unterwegs: Keine Landschaft gilt derart als „typisch chinesisch“, wie die Karstberge zwischen Guilin und Yangshuo. Sie zählen zu den berühmtesten Naturwundern der Welt, sind vor rund 300 Millionen Jahren aus ehemaligem Meeresboden entstanden und erodiert ein Ergebnis der hohen Niederschläge dieser Gegend. Dichter und Kalligrafen rühmten Shan Shui, jenen unverkennbaren Stil, dessen Szenerie aus zwei Kriterien besteht: Berge und Flüsse, die sich zwischen ihnen schlängeln.

Es braucht ein wenig Fantasie diese Idylle auf dem Yulong, dem Drachen-Fluss, zu finden. Denn hier sind sie heute alle, die Touristen, darunter viele Chinesen. Es ist dennoch schön, vielleicht, weil wir Abschied nehmen müssen und uns nach kurzem Flug zum Abend in Chongqing wiederfinden werden, einer 33 Millionen-Metropole. Wir schiffen uns ein zur Kreuzfahrt auf dem Yangtse.

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