Der Tuschestein (für S.)

Ich habe im Nachlass meines Vaters ein kleines Kästchen gefunden. Darin befindet sich dieser schwarze beschriftete Stein. Was steht da? Und was ist das überhaupt?“ Liebe Grüße, S.

Chinesischer Tuschestein aus der Werkstatt des ‚Alten Hu‘ aus der Provinz Anhui

Die Frage liegt hier schon ein wenig, doch jetzt geht’s los: Dieser schwarze Stein ist laut Schachtel ein speziell angefertigter Tuschestein aus China, vermutlich ein Geschenk. Die Manufaktur des ‚Alten Hu‘ befindet sich in der wasserreichen Provinz Anhui, ist auf jener Seite zu lesen, auf der die beiden großen Lettern auf einen besonderen dunkelgrauen-tiefgrünen Tuschestein hinweisen.

Auf der anderen Seite befindet sich rechts der Auszug aus einem Poem des intellektuellen Dichters Guo Mole. Es besteht aus 3 mal 4 Zeichen und beschreibt den jungen Dichter beim Verlassen seiner Heimat Anhui mit dem Boot. Er wird in die Ferne segeln, aber den Geruch und das Wasser seiner Heimat mitnehmen.

Richtig spannend wird es, wenn man zum einen weiß, dass Mao den Dichter Guo Mole ’seinen großen Lehrer‘ nannte, die beiden gegen den Feudalismus kämpften und zum anderen in Anhui mehr oder weniger die ‚Rote Revolution‘ begann. Da kann der Auszug aus dem Gedicht auch ganz anders gedeutet werden, meint Herr P.. Vermutlich hat dein Vater den Tuschestein bereits vor mehreren Jahrzehnten geschenkt bekommen. Vielleicht von einer offiziellen Delegation?

Kleine chinesische Tuschestein-Kunde*

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Pinsel, Tusche und Tuschestein – per Kalligrafie-Box im Supermarkt in Shanghai

Wer hätte das nicht schon vermutet – die Tusche ist eine chinesische Erfindung. Nach Europa gelangte die „chinesische Dinte“ im 17. und 18. Jahrhundert zusammen mit Tee und Porzellan. Sie wurde stets in gepresster fester Form als Täfelchen oder längliche Stange in den Handel gebracht und reich verziert, bei wertvollen Stücken sogar bis hin zu Auflagen von Blattgold. Die besondere Wertschätzung der Tusche resultiert vor allem aus ihrer zentralen Stellung im chinesischen Kulturraum, als Ausdrucksmittel dreier Künste: Der Dichtung, der Malerei und der Kalligraphie. Letztere genießt als Schriftkunst in China ein ganz besonderes Ansehen.

Woraus besteht chinesische Tusche?

  • Ruß: meist aus besonders harzreichen Kiefern, aber auch Erdöl, Tungbaumöl, Hanföl.
  • Leim: gern aus Hirschgeweihen, da nahezu geruchslos; auch Rinderhäute, Fischschuppen.
  • Zusätze: Zum Überdecken des Leimgeruchs: Kampfer, Moschus, z. T. Gewürznelken. Andere Zusatzstoffe dienten für bessere Farbkraft oder sollten den Leim besser auflösen können, wie Eiweiß und Zinnober.

Wie wird sie hergestellt?
Das Kiefernholz wurde in Erdöfen so verbrannt, dass sich möglichst viel Ruß bildete, der erkaltet nach 10 Tagen von der Decke des Ofens abgekratzt, durchgesiebt und im Verhältnis 1:1 mit Leim versetzt wurde. Danach haben die Meister das Gemisch in einem Mörser mit einem Stößel kräftig vermengt und später mit Hammerschlägen weiter komprimiert. Zum Austrocknen legten sie die Stücke für 5 bis 6 Tage zwischen Lagen von Papier, Kalk oder Getreidespreu in ein Aschebad, abschließend erfolgte noch das Polieren und endgültige Trocknen an der Luft. Dann war er endlich fertig, der Tuschestein. Benötigst du Tinte, dann stellst du das schwarze Klötzchen senkrecht auf den Reibestein, gibst ein wenig Wasser dazu und reibst ihn kreisförmig und gleichmäßig ab.

Pinsel und Tuschesteine (vorn rechts)

*Quellen:
Herbert Franke: Kulturgeschichtliches über die chinesische Tusche, Verlag der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, München 1962
Radio China International (CRI): Die vier Schätze der Studierstube

2 thoughts on “Der Tuschestein (für S.)”

  1. Liebe Catrin, ganz herzlichen Dank für die Recherche. Was lange währt, wird gut und ist richtig interessant für mich. Das wird ein Geschenk gewesen sein, vermute ich, da mein Vater nie in China war, aber in der Außenpolitik der DDR tätig war. Liebe Grüße S.

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