Derweil in Lübeck: Hanse, Zimt & Pest aus Asien

Ein chinesisches Zeichen? So das Häkchen am ersten Querstrich links würde, bedeutet es das Mineral Zinnoberoder der Familienname Zhu.

Die Hanse – noch heute umwehen sie Mythen um Wagemut, Macht und Religion niederdeutscher Kaufleute. Über ihren zentralen Transportraum, die Nord- und Ostsee, reichte der Arm der Hanse im 16. Jahrhundert von den skandinavischen Ländern bis nach Italien und von Portugal bis zu den Pelzjägern in Sibirien. Doch auch Gewürze, wie Zimt, erreichten Europa, damals ein Statussymbol. Woher die duftende Rinde kam, blieb indes sehr lange ein Geheimnis.

Zeitreise 1: 1361 auf dem Marktplatz in Brügge

Chinesische Zimtstangen (Bild rechts unten): Cassiazimt, auch Kassia aus Südchina. Steht der Qualität dem Zimt aus Ceylon nur wenig nach.

Eine Andeutung, wie die Handelsströme flossen, bekommt man seit 2015 im Europäischen Hansemuseum in Lübeck: „Exotische Gewürze aus dem Nahen und Fernen Osten sind schwer zu beschaffen und entsprechend teuer. Ihre Herkunft aus fernen Ländern beflügelt die Fantasie ihrer Abnehmer in Europa. Dazu tragen auch die Aufzeichnungen Marco Polos bei, die 1299 erscheinen und in viele Sprachen übersetzt werden.“

Hinter der Tür einer der Szenenräume des Museums findet man sich plötzlich auf einem Markplatz in Brügge wieder. Es ist das Jahr 1361. Um einen herum Stimmengewirr und Stände mit Töpfereien, Messer, bunte Tücher und Gewürze jener Zeit.

Im Museum werden Ingwer und Zimt genannt, die u. a. aus China stammen und von den Genuesen und Venezianern importiert wurden. Dabei fanden zahlreiche Gewürz- und Nutzpflanzen ihren Weg vom Reich der Mitte über die Seidenstraße in den Okzident: Pfirsiche, Orangen, Mandarinen, Marillen, Rhabarber, Buchweizen. Muskatnuss, Safran, Sandelholz, Myrrhe oder Gewürznelke. Aber auch die chinesische Küche wurde bereichert, durch Gurken, Karotten, Granatäpfel, Nüsse und Pfeffer.*1

Zeitreise 2: 1367 vor einem Pesthaus in Lübeck

Pestkreuz an der Tür eines Kaufmanns: diese Markierungen wurde 1367 an alle Lübecker Häuser gemalt, in denen jemand an der Pest gestorben war, ein Quarantäne-Zeichen. Die tote Ratte auf der Tonne: Die Ratten trugen das verantwortliche Bakterium in sich und wurden von den Flöhen gestochen. Starben die Ratten, befielen die Flöhe auch den Menschen und infizierten ihn.

In dem Szenenraum ist es düster. Jemand hat ein Pestkreuz an der Tür eines Kaufmanns gemalt. Auf einer Tonne liegt eine tote Ratte. Angst wird im 14. Jahrhundert zum ständigen Begleiter der Menschen. Kriege, Hungersnöte, Piraterie und soziale Unruhen bedrohen das Leben. Seit 1347 verschärft sich die Situation: vermutlich mit Handelsschiffen aus Asien geht die Pest in Europa von Bord, zwei Jahre später ist sie in Lübeck. Fast ein Drittel der Bevölkerung stirbt, auch die Oberschicht ist betroffen. Es kommt zur Wirtschaftskrise. Zwanzig Jahre später rollt die zweite Pestwelle durch die Stadt.

Die Hafenstadt Kaffa auf der Krim-Halbinsel, das heutige Feodosija in der Ukraine, war damals eine der wichtigsten Handelskolonien Genuas. Und mit den Kaufleuten segelte die Seuche*2 … Von Kaffa ging es weiter nach Konstantinopel, im Sommer 1347 starben hier die ersten Menschen. Große Handelsschiffe warteten schon auf die tödliche Fracht und breiteten sie über die Handelswege in Europa aus. 1349 erreichte sie Norddeutschland.

Allerdings, so neueste Publikationen von 2016, konnte der Pesterreger wahrscheinlich jahrhundertelang in Europa überdauern. Darauf deuten Bakteriengene hin, die Forscher in Skeletten aus dem 14. bis 17. Jahrhundert in München und Brandenburg entdeckt haben. Für die Ausbreitung einer Pestepidemie muss die Rattenpopulation nicht besonders hoch sein, und der Ausbruch einer Epidemie muss nicht jedes Mal aufs Neue von außen in die Population hineingetragen werden. … Als Pestreservoire kommen insbesondere Hafenstädte in Betracht, von wo aus mit Schiffsfracht die Ratten über weite Strecken verbreitet werden.*3

Über Kaffa, einer Genueser Handelsniederlassung am Schwarzen Meer, gelangte der Erreger nach Konstantinopel, wo schon große Handelsschiffe auf die tödliche Fracht warteten.


TIPP:
Europäisches Hansemuseum
An der Untertrave 1 in 23552 Lübeck


Quellen:

*1 – Culinaria China: Chinesische Spezialitäten, tandem-Verlag, 30. März 2015, S 322 ff
*2 – planet wissen: Der Schwarze Tod – Die Pest wütet in Europa

*3 – web.de, Magazin Wissen: Pest überlebte Jahrhunderte in Europa

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