Die Han und 55 andere – Minderheiten in China

Ich mag keine Folklore-Termine. Sie haben etwas Künstliches. Mag das Foto-Motiv auch ein unschlagbares Mitbringsel für die Lieben zu Hause sein, die Situation vor Ort schnuppert nach Zoo-Besuch. Und dieses Foto? Letzten September wandern wir bei gefühlten 40 Grad in den Bergen bei Longsheng. Ein Mal sehen wir zwischen den Reisfeldern zwei Bauern einen Baumstamm schleppen, ein anderes Mal schlängelt sich ein Mann mit seinen drei Hundewelpen auf dem engen Weg an uns vorbei und dann – nähert sich uns dieses pink leuchtende Trio.

Nicht alle Chinesen sind Chinesen

DorfderYao

Unser Weg führt auch durch ein Dorf der Yao. Typisch ist die dreietagige Bauweise aus Holz und Bambus. In der unteren Etage lebt das Vieh.

Nicht alle Chinesen sind Chinesen. Man könnte auch sagen: Nur die Han sind es. Andere Volksgruppen machen rund 10% Prozent der Bevölkerung Chinas aus, bewohnen aber 60 % des Landes. Ein sensibles Konstrukt. 55 offizielle Minderheiten hat China. Deren Vielfalt*³ ist enorm. Es existieren gewaltige sprachliche Unterschiede und kulturelle. Der ethnische Reichtum hat weit mehr zu bieten als die uns bekannten Tibeter und Uiguren. Ohnehin sind mit rund 17 Millionen Menschen die Zhuang nach den Han-Chinesen die zweitgrößte Nationalität der Volksrepublik, die Miao folgen mit knapp 9,5 Millionen. Das Volk der Mosuo ist zwar klein, aber ungewöhnlich: die Frauen haben das Sagen. Mit einem Mann zusammenleben? Lieber nicht. Die Männer besuchen die Frauen lediglich als Liebhaber. Folglich vererben die Frauen ihren Namen und Besitz ausschließlich an weibliche Nachkommen. Ob man einer Minderheit angehört, hat weitreichende Folgen: von der Anfang 1980 eingeführten Ein-Kind-Politik sind die Minoritäten ausgenommen. Beim Hochschulzugang benötigen ihre Angehörige eine geringere Punktzahl als ihre Han-chinesischen Mitbürger. Es soll schon Han-Chinesen gegeben haben, die dahingehend ihre Identität verfälscht haben.

… Unserer Trio stellt sich als lachlustig heraus – und geschäftstüchtig. Die drei Frauen haben uns ertappt, sie haben uns aus der Ferne fotografieren sehen. Nun sind wir dran, sie wollen uns ihr Haar präsentieren. Sie zählen zu den Zhuang und Yao, deren Frauen nur ein einziges Mal in ihrem Leben das Haar abschneiden. Mit 18 Jahren ist es soweit. Dann werden sowohl der alte abgeschnittene Zopf als auch das neue Haupthaar ein Leben lang auf dem Kopf umhergetragen. Wir wissen darum und sind neugierig und sie – haben uns durchschaut. 10 Yuan pro Nase und Zopf. Tja!

Zoepfe

Ein Leben lang auf dem Kopf: alter und neuer Zopf

Nachlese für Edyta: 🙂

MinoritaetYao

Auf einem Waldweg des Drachenrückens begegnet uns eine Yao-Frau: ohne Tracht, aber mit den typischen Silber-Kreolen und – für Edyta – mit Ausgangsfrisur  🙂 . Um die Haare wird ein dunkles Tuch gewickelt, so wie hier.

Quellen:
1-
faz.net;
2- Kai Vogelsang, Reclam, Philipp, jun. GmbH, Verlag (1. April 2012), Geschichte Chinas, S. 548f
3- Vielvölkerstaat China; Nationale Minderheiten/Minoritäten: a) Auflistung aller b) Beschreibung

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