Träumen – im ‚Garten der Herbstwolken‘

Ich sollte jetzt in Shanghai sein. In Jiading, um genau zu sein, denn dort leben die Eltern von Herrn P.. Nun hat uns die Corona-Krise ausgebremst. Es ist, wie es ist. Dafür stelle ich euch einen Garten vor, der etwas Besonderes ist, denn dort gibt es etwas sehr Seltenes für Shanghai: Stille. … Pssst. … Ruhe – wer einmal im Osten Chinas unterwegs war, der weiß, wovon ich spreche. Sie ist nicht existent und man sollte Stille und Abgeschiedenheit auch keinesfalls mit einem chinesischen Park verknüpfen. Dort ist Rènao* angesagt, Lärm, der von allen hingebungsvoll praktiziert wird.

Dieser ruhige Flecken, den ich so mag und in dem wir im vorletzten Herbst mit den Eltern herum geschlendert sind und Tee getrunken haben, liegt versteckt im Vorort Jiading. Der Garten der Herbstwolken, Qiūxiá, ist im November auffallend grün. Vom Tempel des Stadtgottes geht’s durch üppigen Pflanzenwuchs, Felsen aus Kalkstein, einem Pavillon mit der lokal-berühmten Bast-Flechterei, durch Mondtore und Wandelgänge bis zum Teehaus am Kirschblüten-Teich. Dort lässt sich die Landschaft genießen, die Stille und – den berühmten Drachenbrunnen-Tee (Longjing) aus Hangzhou. Den gibt’s nur noch aus Plastik-Bechern, dafür trägt das Personal mit uns zum Plaudern die Hocker in die Sonne.

Nach den ersten Schritten im Qiuxia-Pu, 秋霞圃 – der Tempel des Stadtgottes … Pavillons, Hallen, Wandelgänge – alles liegt eingebettet in der Natur. … Ein Pavillon, in dem es um die lokal-berühmte Bast-Flechterei geht. Ein weiterer Pavillon, in dem der Aufbau eines typischen chinesischen Dachs erklärt wird. …ein Teehaus und ein typisches chinesisches Mondtor.

Kleine Qiūxiá-Kunde (秋霞圃, Qiuxia Pu) – der älteste Park Shanghais

Laut Info-Tafel vor Ort handelt es sich bei dem Kleinod um den ältesten klassischen Garten Shanghais. Seine Geschichte reicht bis in das Jahr 1502 zurück, als zu Zeiten der Ming-Dynastie der Minister für öffentliche Arbeiten, Gong Hong (龚弘), den Garten als Privatgarten für sich anlegen ließ. Es gibt eine Besonderheit: Auf dem Areal liegt ein Stadtgott-Tempel und das stellt in der Garten-Architektur südlich des Yangtse eine Rarität dar. Die ansonsten für den südlich des Yangtse typisch-klassische Gartenkunst steht unter Denkmalschutz.

Qiūxiá
Wo: Jiading (嘉定), 314 Dongdajie St,
Eintrittszeiten & -preise: 08:00 – 16:30 Uhr, Eintritt: 10 Yuan je Nase
Telefon: +86 21-5999-7535, +86 21-5953-1949.


*1 – 热闹 rè nao (heiß + Lärm) – das ist der chinesische Ausdruck für „belebt, viel los“. Ruhe ist den meisten Chinesen heute wesensfremd. Böse Zungen behaupten, dass das Chinesische die einzige Sprache sei, die man nicht flüstern kann. Tja.

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