Tianyi-Platz, Restaurants, Garten, Museum, … – mit der Familie unterwegs

Neuer Tag, neue Tour, die Anzahl der Familienmitglieder, mit denen wir durch Ningbo ziehen, wĂ€chst bestĂ€ndig. Ich bin neugierig, denn es macht einen Unterschied, ob ich aus meinem deutschen Blickwinkel ein Tagesziel wĂ€hle oder ob uns unsere Verwandten eines empfehlen. Sie geben uns Tipps, die wir allein testen und AusflĂŒge, bei denen sie uns unbedingt begleiten möchten. Heute heißt es, in jedem Fall dabei sein. Wir brausen los:

Avantgardistisch – das Historische Museum

Schon das Bauwerk selbst finde ich spektakulĂ€r. Auch unser Cousin zeigt immer wieder auf den 2008 fertig gestellten modernen und dennoch einzigartigen Giganten und bittet uns, ganz dicht heranzutreten. Und dann erkennen wir sie, die alten Ziegel und Dachsteine von den abgerissenen traditionellen HĂ€usern, die hier wieder verbaut worden sind. Es soll der Bauschutt von etwa 30 Dörfern sein, die Platz machen mussten fĂŒr das wachsende Ningbo. Die Alte-Ziegel-Idee finde ich grandios: das Museum prĂ€sentiert nicht nur Geschichte, sondern besteht selbst daraus. Sein Architekt ist der erste chinesische Pritzker-PreistrĂ€ger Wang Shu, der den „Architektur-Oscar“ 2012 erhielt.

Sichtbeton und alte Ziegel – das ‚Historische Museum‘ in Ningbo Bei allen Dauer-Ausstellungen ist der Eintritt frei:

Direkt neben dem Museum saugt uns Musik zu einem gigantischen Platz mit SĂ€ulen, Wasserbecken, … . Musik erklingt. Synchron zu den ‚Ungarischen TĂ€nzen Nr. 5″ von Brahms oder ‚Time To Say Goodbye‘ von Sarah Brightman zischen Wasser-FontĂ€nen gen Himmel, und Hochzeitspaare formieren sich fĂŒr ihren Fototermin. Den Platz erkunden wir bereits allein. Der Rest hat es eilig. Auch das Innere des Museums nehme ich mir fĂŒr die nĂ€chste Reise nach Ningbo vor, denn unsere Familie hat heute andere PlĂ€ne mit uns.

Der Tiangong-Garten

Tiangong-Garten_01
Einer der Cousins …

„Auf zum Botanischen Garten“, hieß es heute. Aha. Nirgendwo hatte ich etwas darĂŒber gelesen. Vor Ort wird klar, das GelĂ€nde ist eine gigantische Freizeitanlage mit Restaurants, Gartenmarkt und GewĂ€chshĂ€usern mit thematisch sortierten Pflanzen.

Die Bauherren des Tiangong-Gartens sind interessanterweise die Bewohner des Dorfes Wandi, die es mit der Anlage zu einem gewissen Wohlstand gebracht haben sollen. Kein Wunder, die Einheimischen scheinen den Garten zu mögen und auch meine Verwandten wollen hierher. Unbedingt!

Der Tianyi-Platz – der Platz des Himmels

Ebenfalls beliebt bei der Verwandschaft ist der Tianyi-Platz. Der liegt im Zentrum von Ningbo und ist unglaubliche 193 000 Quadratmeter groß. Entworfen haben ihn amerikanische und örtliche Architekten. Das Zentrum ist modern, es gibt Wasserspiele und Skulpturen, dazu Hunderte Restaurants und GeschĂ€fte mit allen Marken, die ihr auch von zu Hause kennt.

Blick auf den Platz, die Kirche im Hintergrund kennen wir bereits:

Die Restaurants am Platz sind begehrt. Das Shipu Restaurant (çŸłæ”Šć€§é…’ćș—) in der Gongqing Road am Tianyi-Platz, gilt als eines der besten der Stadt. Die Ausstattung wirkt amerikanisch, die Gerichte sind jedoch chinesisch. Abgefahren sind die Ausmaße der runden Tische in den Separees. Wenigstens 4 Meter, schĂ€tzen wir.

Beliebt sind auch die Lokale in den KaufhĂ€usern. Reservieren kann man hier nicht, man muss warten, gern auf einem der roten und weißen StĂŒhle und – mit Blick in die KĂŒche:

Amerika und China

Amerikanisch ist in Ningbo einiges: der Pritzker-Preis fĂŒr den Architekten des Museums, der Clinton-Spruch am Garten und auch am Tianyi-Platz haben Amerikaner mitgewirkt, was möglicherweise auch die westliche Saxophon-Gruppe erklĂ€ren mag. China und Amerika? Ich erinnere mich an die Aussage des ersten Premierministers des Stadtstaates Singapur. Auf die Frage des Journalisten Matthias Nass, ob wir heute in einer besseren Welt leben als vor 90 Jahren, antwortete Lee Kuan Yew im Mai 2012:

„Das hĂ€ngt davon ab, was Sie unter einer besseren Welt verstehen. Wenn Sie EuropĂ€er sind, Franzose zum Beispiel, dann finden Sie wahrscheinlich nicht, dass wir in einer besseren Welt leben, denn es sind große LĂ€nder wie China aufgetaucht, und Europa wird unwichtig, weil es sich nicht vereinigen kann. Stattdessen werden die Amerikaner sich mit den Chinesen einigen, also G2. … „

Lee Kuan Yew

(Quelle: Helmut Schmidt: Ein letzter Besuch. Begegnungen mit der Weltmacht China. Pantheon-Ausgabe, April 2015, S. 78)

Tianyi_Platz_03

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darĂŒber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.