Sing mit mir

Chinesen singen laut, oft und überall: auf der Straße, in der Bahn oder im Park und zwischen Hunderten Menschen. Scheu oder Verlegenheit? Bah! Und wenn es schon unter freiem Himmel so prächtig zur Sache geht, dann erst recht zu Hause. Meine erste private Party unter Chinesen – ein Kulturschock. Karaoke im äußersten Dezibel-Bereich.

Musizieren wie jeder mag

Es singen alle – immer und überall.

Mitten in einer Berliner Einfamilienhaus-Siedlung. Nicht dass hier ein falscher Eindruck entsteht: die chinesischen Freunde singen gut. Und begeistert. Das Vergnügen kennt an so einem Abend keine Grenzen. Aus chinesischer Sicht. Ich wäre in solchen Momenten gern unsichtbar. Bis vor wenigen Tagen. Wir sind eingeladen. Gastgeber und Gäste haben das Buffet mit chinesischen Spezialitäten bestückt. Ein gemeinsames Essen gilt den Chinesen als Inbegriff einer gelungenen Party. Dementsprechend großartig ist schon zu Beginn des Abends die Stimmung, die steigt, als der Sohn der Familie ‚He’s a Pirate‘ und Mozart auf der Geige spielt.

Sein Musizieren elektrisiert die Sänger: Sie zücken ihre Notenhefte*¹ und legen los mit einem Lied aus dem Korea-Krieg der 1950iger Jahre und einem heiteren Liebeslied zwischen einem 19- und einer 16-Jährigen. Dann schmettern sie eine Weise über die Mongolische Steppe und dann – bin ich dran. „Sing mit mir!“ „Och.“ Doch es ist kein Karaoke und wir sind zu zweit. Und schon trällern wir ein russisch-chinesisches Etwas mit Moskauer Nächten und Textaussetzern, aber es geht. Mein Duett-Partner und ich liegen uns vor Freude in den Armen. Das nächste Mal wollen wir zwei brillieren. Wir bereiten uns vor. Freunde fahnden bereits nach Liedern und Texten. Großartig. Danke.  🙂

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*¹ – Für ihre Musik verwenden die Chinesen im Wesentlichen Ziffern von 1 bis 7, mit der 0 setzen sie Pausen. Ein Punkt oben oder unten markiert die Tonhöhe. Linien fehlen. Ganz klein stehen darunter der chinesische Lied-Text.

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