Sie kommen – tierische Invasoren aus China

Die Wollhandkrabben (Eriocheir sinensis) sind schon länger da. Als blinde Passagiere im Ballastwasser von riesigen Transportschiffen kletterten die ersten etwa 1920 an der Nordsee von Bord, und wandern seither über Flüsse und Kanäle in unsere Flussmündungen ein. So erreichten sie Elbe und Havel. Im Frühjahr 2015 sichteten Brandenburger Angler sie erstmals in Dosse und Jäglitz.

Wollhandkrabben

Sie sind sehr dynamisch und konkurrieren bei massenhaftem Vorkommen mit den einheimischen Fischen um Nahrung. Auch die Fischer sind verärgert, weil sie mit ihren Scheren die Netze zerschneiden. Doch mittlerweile haben sie sich auf die Neulinge eingerichtet. Sie werden verkauft, vor allem an Berliner Chinesen. Fischer Wolfgang Schröder kennt im Havelland jeder. Er zählt zu jener Handvoll von einst Tausenden Fischern, die es hier noch gibt. Bei jedem größeren Naturereignis wird der Mann zu Rate gezogen. Und auch wenn heute kein Hochwasser in Sicht ist, kann man ihn fragen, was die chinesische Wollhandkrabbe im Brandenburgischen eigentlich so treibt.

Doch die Krabbe hat sich nicht allein aus China nach Berlin und Brandenburg aufgemacht, denn 19-Punkter, Wollhandkrabbe, Buchsbaumzünsler & Co sind schon da:

Der Buchsbaumzünsler

Klein, grün, giftig – und seit heute auch in meinem Garten. Wo die Raupe des Schmetterlings auftaucht, macht sie der Buchsbaumhecke den Garaus. In den letzten Jahren hat sich der ostasiatische Kleinschmetterling auch in Brandenburg angesiedelt und schnell vermehrt.

2007 war er das erste Mal in Deutschland, in Baden-Württemberg, beobachtet worden. 2009 hockte die nimmersatte Raupe schon im Spreewald, inzwischen sichten die Leute sie überall in Brandenburg. Nach Mitteleuropa eingeschleppt wurde der Buchsbaum-Zünsler aber bereits zur letzten Jahrtausendwende von China, Korea und Japan aus.

Mandarin-Enten

Ein Mandarinenten-Paar in Potsdam: von Ronny Wunderlich am 24.04.2017

Mandarin-Enten (Aix galericulata) sind in Deutschland nach wie vor selten, stark vermehrt haben sie sich seit ihrer Ankunft offensichtlich nicht. Dennoch sollen heute in Deutschland schon mehr Mandarin-Enten leben als in ihrem Ursprungsgebiet in Südost-Asien (Von den Amur-Niederungen bis in den Norden der chinesischen Provinz Hopei, möglicherweise aber auch bis zum Unterlauf des Yangtse.) Sesshaft ist der Vogel u.a. im Garten von Sanssouci in Potsdam, an der Havel zwischen Potsdam und Geltow und an der Berliner Pfaueninsel. Im Raum Berlin-Potsdam gibt es mit etwa 150 Brutpaaren die größte Population in Deutschland. Die dort lebenden Exemplare sind meist Nachkommen von entlaufenen Zuchttieren.

Asiatische Marienkäfer

19-Punkter in Klein Glienicke (Potsdam): am 28.06.2017 | Foto: Ronny Wunderlich

Seines gewaltigen Blattlaus-Appetits wegen sollte er gegen Ende des 20. Jh. ursprünglich Schädlinge bekämpfen, jetzt verdrängt er den einheimischen Siebenpunkt – der Asiatische Marienkäfer (Harmonia axyridis), auch Vielfarbiger oder Harlekin-Marienkäfer genannt. In Deutschland ist er 2002 das erste Mal gesichtet worden; seither breitet er sich aus. Fressen und Vermehren, der Einwanderer schlägt die Konkurrenz um Längen: während unser Siebenpunkt rund 50 Blattläuse am Tag verputzt, verspeist der chinesische 19-Punkter locker das Fünffache. Und wo der Siebenpunkt einmal im Jahr Nachwuchs zeugt, legt Harmonia bis zu drei Vermehrungszyklen hin.

 

Marderhund – Foto gemeinfrei

Marderhunde

Viele Menschen haben noch nie von ihm gehört. Das mag zum einen daran liegen, dass man den Marderhund (Nyctereutes procyonoides) kaum zu Gesicht bekommt und zum anderen daran, dass sein ursprüngliches Zuhause Sibirien, Japan und das nordöstliche China sind. Sein Fell wurde ihm zum Verhängnis. Im 19. Jahrhundert führte man die Tiere in Westrussland ein. Seitdem wandern sie westwärts. Seit 1960 breitet sich der Marderhund auch in Deutschland aus, die östlichen Bundesländer stellen sein Kernverbreitungsgebiet dar und damit auch Brandenburg.

Chinesische Graskarpfen

In der Havel tummeln sich seit einigen Jahren auch chinesische Graskarpfen (Ctenopharyngodon idella). Die mit einem unglaublichen Appetit ausgestatteten Vegetariar setzten die Behörden einst bewusst als Unterwasser-Rasenmäher“ ein, um wuchernde Wasserpflanzen einzudämmen. Die Tiere gaben alles und putzten radikal sämtliches Grün weg, sodass man zum Beispiel im Berliner Tegeler See nun darauf achtet, dass sie nicht Überhand nehmen.

Asiatische Tigermücke bei der „Arbeit“- gemeinfrei

Asiatische Tigermücken

Sie ist auffällig schwarz-weiß gestreift, vor allem die Hinterbeine und sie kann Tropen-Krankheiten wie das Dengue-Fieber verbreiten – die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus). Nach Deutschland eingereist ist das Insekt mit dem globalen Handel mit gebrauchten Reifen, denn im Freien gelagerte Altreifen sind als Regenwasserreservoir geeignete Ablagestellen für Eier.

 

Quellen (abgerufen am 06.05.2018)

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