Sie kommen – tierische Invasoren aus China

Klein, grün, giftig – und seit heute auch in meinem Garten. Wo die Raupe des Schmetterlings auftaucht, macht sie der Buchsbaumhecke den Garaus. In den letzten Jahren hat sich der ostasiatische Kleinschmetterling auch in Brandenburg angesiedelt und schnell vermehrt.

2007 war er das erste Mal in Deutschland, in Baden-Württemberg, beobachtet worden. 2009 hockte die nimmersatte Raupe schon im Spreewald, inzwischen sichten die Leute sie überall in Brandenburg. Nach Mitteleuropa eingeschleppt wurde der Buchsbaum-Zünsler aber bereits zur letzten Jahrtausendwende von China, Korea und Japan aus. Doch die Raupe hat sich nicht allein aus China nach Berlin und Brandenburg aufgemacht, denn 19-Punkter, Wollhandkrabbe, Mandarin-Ente & Co sind schon da:

Mandarin-Enten

Ein Mandarinenten-Paar in Potsdam: am 24.04.2017 | Foto: Ronny Wunderlich

Mandarin-Enten (Aix galericulata) sind in Deutschland nach wie vor selten, stark vermehrt haben sie sich seit ihrer Ankunft offensichtlich nicht. Dennoch sollen heute in Deutschland schon mehr Mandarin-Enten leben als in ihrem Ursprungsgebiet in Südost-Asien (Von den Amur-Niederungen bis in den Norden der chinesischen Provinz Hopei, möglicherweise aber auch bis zum Unterlauf des Yangtse.) Sesshaft ist der Vogel u.a. im Garten von Sanssouci in Potsdam, an der Havel zwischen Potsdam und Geltow und an der Berliner Pfaueninsel. Im Raum Berlin-Potsdam gibt es mit etwa 150 Brutpaaren die größte Population in Deutschland. Die dort lebenden Exemplare sind meist Nachkommen von entlaufenen Zuchttieren.

Asiatische Marienkäfer

19-Punkter in Klein Glienicke (Potsdam): am 28.06.2017 | Foto: Ronny Wunderlich

Seines gewaltigen Blattlaus-Appetits wegen sollte er gegen Ende des 20. Jh. ursprünglich Schädlinge bekämpfen, jetzt verdrängt er den einheimischen Siebenpunkt – der Asiatische Marienkäfer (Harmonia axyridis), auch Vielfarbiger oder Harlekin-Marienkäfer genannt. In Deutschland ist er 2002 das erste Mal gesichtet worden; seither breitet er sich aus. Fressen und Vermehren, der Einwanderer schlägt die Konkurrenz um Längen: während unser Siebenpunkt rund 50 Blattläuse am Tag verputzt, verspeist der chinesische 19-Punkter locker das Fünffache. Und wo der Siebenpunkt einmal im Jahr Nachwuchs zeugt, legt Harmonia bis zu drei Vermehrungszyklen hin.

 

Wollhandkrabben

Die Wollhandkrabben (Eriocheir sinensis) sind schon länger da. Als blinde Passagiere im Ballastwasser von riesigen Transportschiffen kletterten die ersten etwa 1920 an der Nordsee von Bord, und wandern seither über Flüsse und Kanäle in unsere Flussmündungen ein. So erreichten sie Elbe und Havel. Im Frühjahr 2015 sichteten Brandenburger Angler sie erstmals in Dosse und Jäglitz. Sie sind sehr dynamisch und konkurrieren bei massenhaftem Vorkommen mit den einheimischen Fischen um Nahrung. Auch die Fischer sind verärgert, weil sie mit ihren Scheren die Netze zerschneiden. Doch mittlerweile haben sie sich auf die Neulinge eingerichtet. Sie werden verkauft, vor allem an Berliner Chinesen.

Fischer Wolfgang Schröder kennt im Havelland jeder. Er zählt zu jener Handvoll von einst Tausenden Fischern, die es hier noch gibt. Bei jedem größeren Naturereignis wird der Mann zu Rate gezogen. Und auch wenn heute kein Hochwasser in Sicht ist, kann man ihn fragen, was die chinesische Wollhandkrabbe im Brandenburgischen eigentlich so treibt.

TIPP:
Ihr wollt wissen, was die Achtbeiner derzeit so in den Brandenburger Gewässern treiben?
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Der Havelfischer und die Wollhandkrabben

 

Krabbenfest_02_16

Wollhandkrabben aus der Havel

Marderhund – Foto gemeinfrei

Marderhunde

Viele Menschen haben noch nie von ihm gehört. Das mag zum einen daran liegen, dass man den Marderhund (Nyctereutes procyonoides) kaum zu Gesicht bekommt und zum anderen daran, dass sein ursprüngliches Zuhause Sibirien, Japan und das nordöstliche China sind. Sein Fell wurde ihm zum Verhängnis. Im 19. Jahrhundert führte man die Tiere in Westrussland ein. Seitdem wandern sie westwärts. Seit 1960 breitet sich der Marderhund auch in Deutschland aus, die östlichen Bundesländer stellen sein Kernverbreitungsgebiet dar und damit auch Brandenburg.

Chinesische Graskarpfen

In der Havel tummeln sich seit einigen Jahren auch chinesische Graskarpfen (Ctenopharyngodon idella). Die mit einem unglaublichen Appetit ausgestatteten Vegetariar setzten die Behörden einst bewusst als Unterwasser-Rasenmäher“ ein, um wuchernde Wasserpflanzen einzudämmen. Die Tiere gaben alles und putzten radikal sämtliches Grün weg, sodass man zum Beispiel im Berliner Tegeler See nun darauf achtet, dass sie nicht Überhand nehmen.

Asiatische Tigermücke bei der „Arbeit“- gemeinfrei

Asiatische Tigermücken

Sie ist auffällig schwarz-weiß gestreift, vor allem die Hinterbeine und sie kann Tropen-Krankheiten wie das Dengue-Fieber verbreiten – die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus). Nach Deutschland eingereist ist das Insekt mit dem globalen Handel mit gebrauchten Reifen, denn im Freien gelagerte Altreifen sind als Regenwasserreservoir geeignete Ablagestellen für Eier.

 

Quellen (abgerufen am 06.05.2018)

8 thoughts on “Sie kommen – tierische Invasoren aus China”

  1. Hallo meine Liebe,
    zum Zünsler gab es vor einigen Tagen einen Bericht im WDR.
    Die Herren bewirtschaften schon seit einigen Jahren recht erfolgreich einen großen Ziergarten und sind entsprechend bekannt.
    https://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/hier-und-heute/video-buchsbaumretter-geben-tipps-100.html
    Algenkalk soll die Rettung bringen.
    https://www.swr.de/swr4/bw/tipps/hilft-algenkalk-gegen-buchbaumzuensler/-/id=258208/did=21516694/nid=258208/19cdgnk/
    https://www.mein-schoener-garten.de/gartenpraxis/pflanzenschutz/buchsbaumkrankheiten-und-schaedlinge-mit-algenkalk-bekaempfen-33861

    Grüße

    1. Moin flurdab,
      Algenkalk. Das ist neu (für mich 🙂 ). Danke dir für den Tipp.
      Schönen Tag dir und Lieben Gruß.

      1. Wobei die Herren den Algenkalk zuerst gegen eine Pilzerkrankung eingesetzt haben, die in den letzten Jahren wohl epidemisch über den Buchs hereingebrochen ist. Nun , das Kalken scheint die Sporenbildung zu unterdrücken bzw. zerstört die Sporen. Beim Zündsler scheint der Kalk die Eigelege zu zerstören, damit wird die Reproduktion unterbrochen.
        Die „Herren“ von der Chemie halten dies alles natürlich für Humbug und verweisen auf ihre diversen Gifte, aber man muss ja nicht alles mitmachen. Von Ihnen wird auch gerne das Schreckgespenst der „Überkalkung“ des Bodens angeführt, also eine deutliche Erhöhung des Boden- pHs. Das halte ich aber für unwahrscheinlich, bei sachgemäßer Anwendung des Kalks. Die meisten Gartenböden sind eh „versauert“, der Regen alleine sorgt schon dafür. Die meisten Nutzpflanzen wachsen in einem ph- Bereich von 6,0 bis 6,5 an besten, die meisten Böden liegen deutlich niedriger. Also keine Angst vor „Überkalkung“, man soll die Pflanzen ja nur stäuben.
        Ich hoffe das es hilft, wobei es natürlich keine Spontanheilung innerhalb eines Jahres gibt.

        Liebe Grüße

        1. Gegen Pilzerkrankung – Ich war heute früh schon neugierig und habe deinen Hinweis zum Schöner Garten – Artikel gelesen. Schaden kann es ja nicht, die Sache mit dem Algenkalk zu probieren. Erst einmal sieht der Buchsbaum zwar mächtig geschrumpft aus, aber ich konnte bislang keine Gespinnste entdecken. 🙂

          1. Das verrückte für mich ist der Zeitpunkt des Rückschnitts beim Buchs. Jedes Obstgehölz schneidet man im Winter, immer mit dem Hinweis auf „Saftruhe“, Vegetationsruhe. Warum man Buchs mitten im Sommer schneidet? So doof kann man eigentlich nicht sein.
            Wenn es draußen kalt ist, liegen selbst die „Sporen“ flach. Es ist zu kalt, es herrscht keine Thermik, das „Leben“ scheint mehr als unfreundlich, da warte ich doch lieber auf bessere Zeiten.

            Du kriegst das hin!

            Grüße

          2. Guten Morgen flurdab,
            kenne ich gut, die Sache mit dem Obstbaumschnitt. Möglicherweise liegt das mit dem Sommerschnitt beim Buchs daran, dass der zwischenzeitlich so auswuchert und aus der Form gerät. So wie auch Ligusterhecke & Co.
            Danke fürs Motivieren, jetzt steht die beiden Buchs-Ruinen unter meiner verschärften Beobachtung.
            Liebe Grüße

          3. Tara!!! Leute, hängt Meisenkästen auf. Die untersuchen jeden Ast, verputzen jedes Räupchen. Großartig!! Großartig!. 🙂 🙂 🙂

            Vor gut einer Woche:
            Auf den Geschmack gekommen - Meisen verputzen den Zünsler

            Gestern: Rund und munter vom Zünsler-Verputzen
            Auf den Geschmack gekommen - Meisen verputzen den Zünsler

  2. Ich bin dieser Tage mehrfach gefragt worden: Was macht ihr denn nun mit dem Zünsler? Tja. Erst einmal haben wir den Buchsbaum ordentlich zurück geschnitten. Und ich mich belesen: 1. Stark zurückschneiden, 2. Mit Hochdruckreiniger durchsprühen, 3. Mit (Bio)-Insektizid behandeln. Oder einen blauen Müllsack rüberstülpen. Das geht laut einer Leserin der Redaktion ‚Mein schöner Garten‘ so: Wunderwaffe Müllsack

    Vielleicht muss ich mich auch von meinen beiden Buchsbäumen verabschieden 🙁 😠 und eine Alternative suchen, wie Ilex crenata (Japanische Stechpalme).

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