Sie kommen – tierische Invasoren aus China nach Berlin-Brandenburg

Klein, grün und giftig. Wo die Raupe des Schmetterlings auftaucht, macht sie der Buchsbaumhecke den Garaus. In den letzten Jahren hat sich der ostasiatische Kleinschmetterling auch in Brandenburg angesiedelt und schnell vermehrt:

2007 war er das erste Mal in Deutschland, in Baden-Württemberg, beobachtet worden. 2009 hockte die nimmersatte Raupe schon im Spreewald, inzwischen sichten die Leute sie überall im südlichen Brandenburg, aber auch in Potsdam und Berlin hat es schon Funde gegeben. Nach Mitteleuropa eingeschleppt wurde der Buchsbaumzünsler aber bereits etwa zur letzten Jahrtausendwende von China, Korea und Japan aus. Doch der Schmetterling ist nicht allein, auch andere Tiere aus China sind in Berlin und Brandenburg als Globetrotter an Land gegangen:

Marderhund – Foto gemeinfrei

Marderhunde

Viele Menschen haben noch nie von ihm gehört. Das mag zum einen daran liegen, dass man den Marderhund (Nyctereutes procyonoides) kaum zu Gesicht bekommt und zum anderen daran, dass sein ursprüngliches Zuhause Sibirien, Japan und das nordöstliche China sind. Sein Fell wurde ihm zum Verhängnis. Im 19. Jahrhundert führte man die Tiere in Westrussland ein. Seitdem wandern sie westwärts. Seit 1960 breitet sich der Marderhund auch in Deutschland aus, die östlichen Bundesländer stellen sein Kernverbreitungsgebiet dar und damit auch Brandenburg.

Ein Mandarinenten-Paar in Potsdam: entdeckt und beim Pan-da eingesendet von Ronny Wunderlich am 24.04.2017

Mandarin-Enten

Heute sollen in Deutschland schon mehr ostasiatische Mandarin-Enten (Aix galericulata) leben als in ihrem Ursprungsgebiet. Sesshaft ist der Vogel u.a. im Garten von Sanssouci und an der Berliner Pfaueninsel. Im Raum Berlin-Potsdam gibt es mit etwa 150 Brutpaaren die größte Population in Deutschland.

Chinesische Graskarpfen

In der Havel tummeln sich seit einigen Jahren auch chinesische Graskarpfen (Ctenopharyngodon idella). Die mit einem unglaublichen Appetit ausgestatteten Vegetariar setzten die Behörden einst bewusst als Unterwasser-Rasenmäher“ ein, um wuchernde Wasserpflanzen einzudämmen. Die Tiere gaben alles und putzten radikal sämtliches Grün weg, sodass man zum Beispiel im Berliner Tegeler See nun darauf achtet, dass sie nicht Überhand nehmen.

Asiatische Marienkäfer

Asiatischer Marienkäfer im Volkspark Berlin-Friedrichshain; FOTO: Ronny Wunderlich

Seines gewaltigen Blattlaus-Appetits wegen sollte er gegen Ende des 20. Jh. ursprünglich Schädlinge bekämpfen, jetzt verdrängt er den einheimischen Siebenpunkt – der Asiatische Marienkäfer (Harmonia axyridis), auch Vielfarbiger oder Harlekin-Marienkäfer genannt. In Deutschland ist er 2002 das erste Mal gesichtet worden; seither breitet er sich aus. Und das massiv. Fressen und Vermehren, der Einwanderer schlägt die Konkurrenz um Längen: während unser Siebenpunkt rund 50 Blattläuse am Tag verputzt, verspeist der chinesische 19-Punkter locker das Fünffache. Und wo der Siebenpunkt einmal im Jahr Nachwuchs zeugt, legt Harmonia bis zu drei Vermehrungszyklen hin.

Asiatische Tigermücke bei der „Arbeit“- gemeinfrei

Asiatische Tigermücken

Sie ist auffällig schwarz-weiß gestreift, vor allem die Hinterbeine und sie kann Tropen-Krankheiten wie das Dengue-Fieber verbreiten – die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus). Nach Deutschland eingereist ist das Insekt mit dem globalen Handel mit gebrauchten Reifen, denn im Freien gelagerte Altreifen sind als Regenwasserreservoir geeignete Ablagestellen für Eier.

Wollhandkrabben

Die Wollhandkrabben (Eriocheir sinensis) sind schon länger da. Als blinde Passagiere im Ballastwasser von riesigen Transportschiffen kletterten die ersten etwa 1920 an der Nordsee von Bord, und wandern seither über Flüsse und Kanäle in unsere Flussmündungen ein. So erreichten sie Elbe und Havel. Im Frühjahr 2015 sichteten Brandenburger Angler sie erstmals in Dosse und Jäglitz. Sie sind sehr dynamisch und konkurrieren bei massenhaftem Vorkommen mit den einheimischen Fischen um Nahrung. Auch die Fischer sind verärgert, weil sie mit ihren Scheren die Netze zerschneiden. Doch mittlerweile haben sie sich auf die Neulinge eingerichtet. Sie werden verkauft, vor allem an Berliner Chinesen. Der Preis wird an der Größe der Tiere festgemacht. Während er für die großen 8 Euro je Kilogramm berechnet, kosten kleine Exemplare die Hälfte.


Ihr wollt wissen, was die Achtbeiner derzeit so in den Brandenburger Gewässern treiben?

Fischer Wolfgang Schröder kennt sich da aus, ihn kennt im Havelland jeder. Er zählt zu jener Handvoll von einst Tausenden Fischern, die es hier noch gibt. Was er zu sagen hat, findet ihr hier: Der Havelfischer und die Wollhandkrabben

 

Krabbenfest_02_16
Wollhandkrabben aus der Havel

Quellen (abgerufen am 23.03.2017)

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