Etappe 3: Nanba – Zhongba

Traditionelle chinesische Hochzeit, wie findet sie statt? Ist es unhöflich mit den Brauteltern über die Kosten der Hochzeit zu verhandeln? Benötige ich Geschenke, wenn ja für wen? Muss jemand von uns eine Tischrede halten? … Anfang März hat Ella hier jede Menge » Fragen zur Hochzeit ihres Sohnes mit einer Chinesin gestellt. Jetzt radelt die Brandenburgerin mit ihrem Mann dem Ereignis in Ürümqi entgegen, erst einmal in entgegen gesetzter Richtung, und lässt uns einen Monat lang an ihrem Abenteuer teilhaben.

Etappe 3: Nanba – Zhongba

Ella schreibt:

„Gestern sind wir von Nanba nach Zhonba geradelt.  Nanba ist ein kleines Städtchen, am Fluss gelegen, mit einem neu aufgebauten Stadttor und einem kleinen Park. Wir machten es ganz wie immer. Hielten Ausschau nach mehreren Menschen und machten dann, mit Händen und Füssen begreiflich, dass wir eine Unterkunft suchten. Das klappt immer ganz gut. Es gibt eine Hochzeitsfotografin im Ort, die auch Zimmer vermietet. Dort angekommen, war auch die Polizei schon da, die unsere Pässe erneut kontrollierte und fotografierte, sehr freundlich mit uns umging und uns das Zimmer beziehen liess. Nach einem Bummel durchs Städtchen, assen wir in einer kleinen Butze, mit mehreren Familien zu Abend und verschwanden dann schnell im Heiabettchen.

Morgens, Frühstück gab es nicht, wurden wir von der Polizei freundlich verabschiedet und sausten los, in Richtung Tagesziel. Nach 25 km kam ein kleines Dorf am Wegesrand daher, in welchem gerade Markttag war. Dort haben wir gegessen, den Markt besichtigt und ein Stück geräucherten Tofu gekauft, den wir später bei einer Rast mit grossem Appetit vertilgt haben. Er schmeckte ein bisschen wie geräucherter Käse und erinnerte auch in seiner Konsistenz daran. Jetzt halten wir gleich wieder Ausschau danach.

Die Strecke gestern ging in schöner Regelmäßigkeit auf und ab, immer am Fluss entlang, nur unterbrochen von mehreren steilen Stücken, bei denen wir uns fragten, warum sich unsere Gangschaltung nicht noch in den Minusbereich verschieben lies, einer sehr fiesen Baustelle, infolge eines Bergrutsches und mehreren Tunneln. Der Verkehr setzte sich zusammen aus schwer beladenen Lastwagen, Bussen und vielen Pkw, Mopeds, den kleinen dreirädrigen Transportwundern, Fussgängern, Hühnern und uns. Ungefähr auch in diesem Stellenwert im Verkehrsgeschehen. An der Baustelle lief es noch gut. Der Autofahrer hinter mir hielt Abstand und ich konnte langsam durch den Matsch rollen, ohne hinein zu fallen. Puh. Geschafft. Aber auf der Strasse nahm der alltägliche Wahnsinn seinen Lauf! Mein Schutzengel musste gestern Schwerstarbeit verrichten. Es wurde gehupt, sehr knapp überholt, gehupt, ausgebremst, gehupt, gedrängelt, gehupt und mit einer Rücksichtslosigkeit vor der Kurve überholt, die uns blass werden ließ. Bei mehreren Abfahrten, bei denen auch der gemeine Radler Tempo aufnimmt, kam mir auf meiner Spur ein wild hupender Pkw entgegen, der den Lastwagen überholen wollte und die Strasse für sich beanspruchte. Aber wo soll der gemeine Radler hin? Nach rechts ausweichen und in den Fluss hopsen war keine Option. Es blieb stets als letzter Ausweg die Vollbremsung und das ja auch nicht ganz leichte Gefährt so weit als nur irgend möglich an die Leitplanke zu manövrieren und dass nur mit der Hinterradbremse. Dann scherte der Pkw knapp vor mir ein und rammelte ungerührt weiter. Wenn dir das mehrfach in einer Stunde passiert, hast du keinen Blick mehr für die Landschaft.

Wir waren auch infolge des Lärmpegels mit den Nerven am Ende, als wir endlich die Stadt erreichten. Nach einer phantastischen Dusche mit endlich richtigem Wasserdruck sah die Welt schon wieder freundlicher aus und wir begaben uns auf einen ausgiebigen Bummel.“

Ruhetag in Zhongba

„Unser Ruhetag in Zhonpa verlief entspannt und war erholsam, sowohl für unser Nervensystem, als auch für unsere Wadeln. Wir stromerten gut gelaunt durch die Stadt, besuchten die Garküchen und den Markt, sassen am Fluss und beobachteten Wasserbüffel. Heute Morgen verschliefen wir, rappelte uns dann doch auf und zogen los. 20 km aus der Stadt heraus auf der Hauptstraße mit einen 5 m breiten Radweg! Herrlich! Irgendwann bogen wir ab und gelangten auf eine Nebenstrasse. Diese führte durch kleine und kleinste Dörfer. Die Strasse war schmal, keine Lastautos, ganz wenig Pkw, einige Mopeds und Elektromobile. Das war’s. Die Strecke ist ein Traum, mit Bergen. Wir haben Reisanbau gesehen, Obstplantagen (Kiwi!), Gemüseanbau. Jedes kleine Fleckchen wird benutzt, um Kohl, Auberginen, oder Zwiebeln anzubauen und alles wird mit Hingabe gepflegt. Die Menschen auf den Dörfern sind freundlich und hilfsbereit und alle sehr entspannt.

Wir haben zwischendurch, weil einfach keine Garküche zu finden war, unsere Instantnudelsuppe verdrückt und sind dann weiter auf dieser Nebenstraße in einen Ort geradelt, dessen Name auf unseren Offlinekarten nur chinesisch dargestellt wird. Hier haben wir für heute ein typisches Binguan (chin. für Unterkunft, Übernachtungsmöglichkeit) bezogen, quadratisch, praktisch, gut. Wir durften die chin. Waschmaschine benutzen, die meisten Modelle kann ich schon wieder bedienen, ohne fragen zu müssen und unsere Radhosen hängen jetzt im Hof neben der „Hotelwäsche“. Es kann ausschliesslich kalt gewaschen werden, da die Maschinen nicht heizen und es nur Kaltwasseranschlüsse gibt, aber unser Waschwasser war doch anständig schmutzig! Unten im Binguan werden Mahjong und Karten gespielt. Der Raum ist voll und es geht hoch her! Wir haben das unterwegs schon oft gesehen. Vier Leute sitzen um einen Tisch und zocken und ringsum stehen viele andere und kommentieren das Ganze. Chinesen lassen sich gerne und oft fotografieren, ausser beim Spielen. Das mögen sie nicht so gerne und wir respektieren das natürlich. Wir freuen uns auf Morgen!“

Impressionen:

Trumpchi – die ‚Legende‘


Frage Ella:
Der Trumpchi, ist das eine chinesische Automarke?

Antwort Yùnzhi: Klingt wie ein Witz? Ist aber keiner. Der ‚Trumpchi‘ ist ein echter Chinese. Der Name wird jetzt zum Problem, weil China das Teil ab 2019 gern in die USA expandieren möchte … . Die Chinesen hatte schon zum Frühlingsfest kräftig der Übermut gepackt: vor einem Einkaufszentrum in Taiyuan (Shaanxi) hatten sie einen riesigen Hund aufgestellt. Mit Donald-Trump-Tolle. 😉 … . Jetzt soll der Wagen einen neuen Namen bekommen. Trumpchi bedeutet übrigens ‚Legende‘, was doch irgendwie recht nett klingt.

Ein echter Chinese, der ‚Trumpchi‘

 

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