Der Panda-Pakt oder Zwei Bären für den Berliner Zoo | Update mit Nachwuchs

Endlich! Mit viel Tamtam und Presse landeten am 24.06.2017 Mengmeng (Träumchen) und Jiao Qing (Schätzchen) in Berlin. Dabei, es geht nicht ausschließlich um die knuddeligen Bären, denn Pandas sind eine politische Angelegenheit:

Chinas Panda-Diplomatie

Chinas Sitte, anderen Nationen Pandas zu schenken, ist etliche Jahrhunderte alt und wurde ab den 1950er Jahren stark forciert, wohl weil sich mit den süßen Kerlchen bestens das Image aufpolieren lässt. Und so bekam denn so ziemlich jedes Staatsoberhaupt, das China besuchte, zum Abschied einen lebenden Bären überreicht. Oder auch zwei, wie 1972 der amerikanische Präsident Nixon, der sich mit einem Moschusochsen-Paar revanchierte. 😉  Und da wo die Pandas in den Zoos auftauchten, da strömten die Massen hinein.

Aber schnell wird auch klar: es ist ein kostspieliges Unterfangen. Auch für die beiden Neu-Berliner. Die Kosten betragen nach Angaben des Berliner Zoos umgerechnet rund 920.000 Euro pro Jahr für zwei Tiere mit einer Vertragslaufzeit von 15 Jahren. 70 Prozent des jährlichen Betrages ist für den Artenschutz der Pandas vorgesehen, 20 Prozent der Summe bekommt die Aufzucht-Station im chinesischen Chengdu, zehn Prozent gehen als „Verwaltungskosten auf chinesischer Seite“ in die Rechnung ein. Und was ist, wenn es dieses Mal mit Nachwuchs klappt? Auch das Baby muss zurück in die Heimat der Großen Pandas gebracht werden. Geliehen, heißt das Stichwort, denn während Bao Bao noch ein echtes Geschenk an die Regierung unter Kanzler Helmut Schmidt war, sind alle Tiere, die heute außerhalb Chinas leben, Leih-Pandas. Also auch das angekündigte Pärchen für den Berliner Zoo.

Rundgang durch die Anlage:

Pandas im Berliner Zoo

Obwohl die Tiere bereits seit über 8 Millionen Jahren auf dieser Welt zugange sind, hatte bis Anfang des 20. Jahrhunderts nie jemand im Westen je einen lebendigen Bären gesehen. Bis 1916 ging das so, dann kauften Wissenschaftler in China ein Jungtier. … Der Berliner Zoo hatte 1980 letztmalig Pandabären erhalten, nachdem der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt ein Pärchen als Staatsgeschenk überreicht und dem Berliner Zoo gestiftet hatte. Panda-Nachwuchs gab es jedoch nie.

Update 02.09.: Das mit dem ausbleibenden Nachwuchs ist Geschichte. Im Berliner Zoo sind am 31.08.2019 zwei Panda-Babys zur Welt gekommen, die ersten in Deutschland. Chinesische Experten und das Team des Berliner Zoos warteten seit Tagen auf die Geburt.

Kleine Panda-Kunde

Verbreitungsgebiet des Großen Pandas | Grafik: gemeinfrei

Pandas gehören zu den wichtigsten Symboltieren in China. Dennoch zählen die Tiere zu den meist bedrohten Arten der Welt. In den letzten Jahren hat sich der Bestand der Riesen-Pandas offenbar erholt: gemäß einer Recherche der Forstbehörde von 2015 wurden insgesamt 1864 der schwarz-weiß gefleckten Bären gezählt. Das sind 268 Tiere mehr als bei der letzten Erhebung 2003.

Zwei Drittel des Großen Panda leben in Freiheit, doch längst nicht alle in Schutzgebieten. Die meisten Wildtiere tummeln sich in den Wäldern und Bergen der Provinz Sichuan. Dem Land ist laut WWF nicht nur ein Bestands-Zuwachs gelungen, sondern zugleich habe sich auch der Lebensraum um etwa 12 Prozent auf knapp 2,6 Millionen Hektar vergrößert. Bedrohungen, wie Wilderei, seien zurückgegangen. Gemeinsam mit der Chinesischen Forstbehörde arbeite der WWF etwa an dem Bau von Wildtier-Brücken und -tunneln.

Der Panda-Angriff

Die rasante wirtschaftliche Entwicklung Chinas setzt den Pandas aber nach wie vor zu. In ihrem Lebensraum gibt es nach offiziellen Angaben 319 Wasserkraftwerke und 1339 Straßen, ca. 270 Kilometer Starkstromleitungen, 984 Siedlungen, 479 Minen und 25 Touristenattraktionen.

Das hat Folgen für die Tiere und – für den einen oder anderen Menschen: denn jüngst hat einer von ihnen zugebissen. Ins Bein eines Bauern. Das Tier war laut » Spiegel in das Dorf im chinesischen Naturschutzgebiet Baishuijiang vorgedrungen und hatte seine Attacke erst unterbrochen, als ein zu Hilfe kommender Mann dem Panda den Kopf bedeckte. Forstverwaltung und Naturschutzgebiet wollen dem Mann aus der Provinz Gansu eine Entschädigung von 520.000 Yuan zahlen, umgerechnet knapp 80.000 Euro.

67 Schutzgebiete in China

Chinesische Wissenschaftler beobachten seit den 1970er Jahren die Art genau. Später wurden Schutzgebiete eingerichtet und eine regelmäßige Zählung vorgeschrieben. Derzeit gibt es 67 Schutzgebiete, 27 mehr als bei der letzten Zählung. Von allen erfassten Tieren lebten 1246 in diesen Regionen.

Quellen:
Scott Forbes: China. Der cool-verrückte Reiseführer, Verlag: National Geographic (26.02.2013), S. 40, 41
Zoo Berlin, Pandablog, Baustellentagebuch (abgerufen am 28.04.2017)
rbb: Mengmeng und Jiao Qing kommen nach Berlin (abgerufen am 18.05.2017)

german.china.org: Lieben Sie Pandas? & Screenshot | abgerufen am 25.09.2015
german.China.org: Teure Panda-Diplomatie | abgerufen am 25.09.2015

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