Chinesisches Mondfest: auf zur Frau im Mond

Morgen feiern meine Verwandten in China Mondfest. Ein bisschen auch wir, mit echten Mondkeksen, die wir uns von unserer Reise aus Wuxi mitgebracht haben. Wir mögen die Küchlein mit roter Bohnenpaste, jene mit Ei sind nicht so unseres. Warum Mondfest? Was passiert da?  Im Gegensatz zu uns Sonnenkindern haben die Chinesen ein inniges Verhältnis zum Mond, weshalb sie bedeutende Entscheidungen nach dem Mondkalender treffen. Heiraten wäre so ein Beispiel, gern auch Haare schneiden, in jedem Fall aber feiern. Das Frühlingsfest (Mondneujahr) richtet sich nach dem Bauern- bzw. Mondkalender, ebenso das Fest des Mondes, an dem sie selbigen als Mondkeks verputzen.

Die Frau im Mond

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Wer probieren mag – Mondkuchen gibt’s auch in den Berliner Asia-Supermärkten.

Während unserer China-Reise mit Freunden versorgten wir uns mit Mondkuchen, Schnaps und geborgten Stühlen, positionierten uns auf einem Dach, besangen den Erdtrabanten und lauschten den Mond-Mythen meines chinesischen Mannes: Es gibt so etwas wie eine Urgeschichte. Mit einem Bauern auf dem Mond und einer Frau Chang E, die einen Zaubertrank gestohlen und getrunken hatte und nun, nebst Jadehasen, zum Bauern auf den Mond verbannt wurde. Und es wird die poetische Geschichte erzählt. Da ist die schöne Chang E die Frau des legendären Bogenschützen Hou Yi, der die Erde vor den zehn Sonnen rettete, indem er neun von ihnen mit seinem Pfeil vom Himmel holte. Die zehnte hingegen spendet bis heute Licht und Wärme. Zum Dank schenkte ihm die Göttin Xiwangmu ein Unsterblichkeitselixier, das wiederum wenig später sein Widersacher Peng Meng von Chang E forderte, die es aus purer Verzweiflung schließlich selbst trank. Seitdem bewohnt sie als Göttin den Erdtrabanten, den verzweifelten Hou Yi zurück lassend. Das Ende der Sage ist vielfältig. Manchmal können sich die Liebenden wenigstens zum Mittherbstfest in die Arme nehmen, in einer anderen Geschichte schlagen Elstern oder Wolken für die beiden Brücken. Wie melancholisch!

Mondmission

Und die Mondgöttin Chang E heute? Heißt modern Chang’E-5-T1 und betrat vor zwei Jahren erneut den Mond. Im Dezember 2013 dockte sie als gleichnamige chinesische Sonde auf dem Erdtrabanten an. 2014 demonstrierte eine chinesische Mission mit besagter Chang’E-5-T1 die Fähigkeit der Ingenieure, Eintrittskapseln vom Mond sicher auf chinesischem Territorium zu landen. … 2030 ist es dann soweit, dann soll der erste Astronaut die Mondgöttin besuchen.*¹*²

mond_gemeinfreiÜber das Mondfest (auch: Mittherbstfest – 中秋节 -Zhong Qiu Jie)

Am 15. Tag des 8. Mondmonats feiern die Menschen im Kreis ihrer Lieben. Wenn möglich, besteigt man in dieser Nacht einen Berg, bewundert den Mond, verknuspert sein handtellergroßes Ebenbild auf Erden und gedenkt Chang E und ihres Geliebten Hou Yi und aller anderen voneinander Getrennten. In der chinesischen Kultur gilt der Vollmond als ein Symbol des Friedens, des Zusammengehörens und des Wohlstands für die Familie. Das Fest entwickelte sich zu Zeiten der Tang-, Ming- und Qing-Dynastie. Die UNESCO hat 2006 das Mittherbstfest in die Liste des nationalen immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

Gemeinsames Essen kann auch so aussehen – Bauarbeiter (Wanderarbeiter?) am Tag des Mittherbstfestes 2014 in Chaoping.

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Quellen:
*¹ – Hochschule Ludwigshafen am Rhein, Ostasieninstitut | abgerufen am 11. 09.2016
*² – Scilog: Chinesen sind hinter dem Mond und tun was | abgerufen am 11. 09. 2016
*³ – german.china.org: Das Mittherbstfest – das zweitwichtigste Volksfest Chinas | abgerufen am 13. 09.2016

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