Momentaufnahme: Reisfeld bewässern vs Individualität

Der Sattmacher der Chinesen heißt Reis. Zumindest in Südchina. Nördlich des Yangtse-Flusses wächst keiner: zu trocken, und vor allem – zu kalt. Hier pflanzen die Bauern Weizen. Der Süden also. Dort sind die Reisterrassen von Longsheng bekannt. Weil sie so bezaubernd aussehen.

Reisfeld&Dorf_2014

Je nach Reissorte gibt es unterschiedliche Anbaumethoden. Sumpf- oder Wasserreis wird auf feuchten Böden kultiviert.

Die Arbeit an den Hängen ist dennoch derart hart, dass der Staat den Bauern Zuschüsse gibt, damit sie die Terrassen weiter beflanzen. Und vom Reisanbau lässt sich allerlei ableiten, von den Bewässerungssystemen, um genau zu sein: Beim Wandern auf den schmalen Pfaden durch die Reisfelder wurde mir bewusst: die Art des Bewässerns mag einfach daherkommen, ist aber wirkungsvoll. Und eine funktionierende stabile Zufuhr von Wasser spielt die zentrale Rolle beim Anbau. Pro Kilogramm Reis benötigen die Bauern bis zu 5000 Liter fließendes Wasser. Das will reguliert sein. Fließt es zu schnell, schwemmt es den Boden weg. Fließt es zu langsam, wachsen Algen. Und noch etwas lässt sich ableiten:

Reisanbau vs individuelle Entscheidungen

Historisch gesehen, waren individuelle Entscheidungen für Chinesen nur von geringer Bedeutung, meint der Psychologe Richard Nisbett von der University of Michigan. Er befasst sich mit kulturellen Unterschieden in Bezug auf die menschliche Wahrnehmung der Welt und fand heraus, …

dass sich die fruchtbaren Ebenen und Flüsse des alten China für Reisanbau anboten, was wiederum Bewässerungssysteme nötig machte und die Menschen dazu zwang, „das Land gemeinsam zu bestellen“. Im Gegensatz dazu lebten die alten Griechen umgeben von Bergen und Küstenstrichen und waren auf Viehhaltung, Handel und Fischerei angewiesen, wodurch ihnen eine größere Unabhängigkeit möglich war. Laut Nisbett ging die Entstehung der griechischen Konzepte der persönlichen Freiheit, des Individualismus und der Objektivität auf diese historischen Zusammenhänge zurück. …*¹ 

Kann man mal drüber nachdenken.

Quellen:
– Evan Osnos: Große Ambitionen – Chinas grenzenloser Traum, Suhrkamp Verlag, Berlin 2015, S. 56

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