Made in China

Made in China – wir haben den Film geguckt. Was ist das Besondere? Wohl, dass das Drehbuch autobiografisch ist. FrĂ©dĂ©ric Chau, den ihr vermutlich als chinesischen Schwiegersohn aus den Filmen mit Monsieur Claude und seinen vier Töchtern kennt, soll sogar daran mitgeschrieben haben. Seine Film-Geschichte ist schnell erzĂ€hlt und auch sein Grund-Problem, das mit seinem Äußeren zu tun hat:

Auch wenn François großen Wert darauf legt, als EuropĂ€er wahrgenommen zu werden, die Pariser und auch wir Zuschauer erkennen sofort: François Wurzeln liegen in China. Der junge Mann arbeitet als Fotograf, hat eine französische Freundin und – wird bald Vater. Zeit, die Familie des Kindsvaters kennen zu lernen, findet die Schwangere, denn mit seinem Vater hat Francois seit zehn Jahren kein Wort mehr gesprochen und auch die chinesische Community im 13. Bezirk hat er seither gemieden. Back to the roots – das (vorhersehbar-gefĂŒhlige) Abenteuer nimmt seinen Lauf.

Der Eindruck

đŸ”č Konflikt Vater & Sohn (fiktiv, nicht autobiografisch): Die beiden MĂ€nner nĂ€hern sich einander an. Alles wird gut, das ahnen wir von Anfang an und das ist auch das Manko dieses Films. Die Migration, die chinesische Parallelgesellschaft, woher rĂŒhrt die HĂ€rte des Vaters zum großen Sohn, 
 das alles sortiert eine routinierte Dramaturgie, die wenig differenziert, die Figuren auf Abstand hĂ€lt und bei der die Vater-Sohn-Beziehung seltsam vage bleibt.

đŸ”č Kulturelle IdentitĂ€t: Französisch mit chinesischem Akzent, Mahjongg, Hund auf dem Restaurant-Teller – Klischees ĂŒber Chinesen reihen sich vor allem zu Beginn des Films aneinander, um sie mit einem Schmunzeln aufzulösen. Das gelingt auch dank seines besten Kumpels Bruno (Medi Sadoun; auch ein Schwiegersohn bei Monsieur Claude), der ihm bei seiner IdentitĂ€ts-Reise moralisch zur Seite steht und sich bei der chinesischen Community durch alle FettnĂ€pfchen arbeitet. Sehr schön das StĂ€ndchen fĂŒr François‘ Jugendfreundin, in die er sich verliebt hat.

đŸ”č Paris vs Berlin: Gibt’s da Vergleichbares? Erste Erkenntnisse: Die Chinesen verneinen. Wir sind keine Migranten, keine Arbeiter, wir haben die besten UniversitĂ€ten besucht und sind nicht glĂ€ubig. Als China Mitte der 80iger Jahre die Grenze öffnete, da wollten wir die Welt kennen lernen. Wir leben verteilt ĂŒber ganz Berlin. Und ja, wir sind sichtbar Chinesen und wenn deutsche Freunde neugierig sind und uns nach unseren Wurzeln fragen, dann finden wir das nachvollziehbar.

FAZIT: Man wird bei dieser Reise ins Pariser Chinatown gut unterhalten. Wer einen entspannten Nachmittag will, der kann den durchaus genießen. Wer mehr Grau in den Geschichten mag, der geht zu âžĄïž So long, my son.

Made in China
Fast tÀglich 19 Uhr im Thalia in Potsdam-Babelsberg
[Spielzeiten, Hintergrund & mehr]
Regie: Julien Abraham
Darsteller: FrĂ©dĂ©ric Chau, Medi Sadou, Julie de Bona
Laufzeit: 88 Minuten

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