Kaiserlich genießen – Jasmintee

Die Heimat des Chinesischen Tee-Jasmins ist keineswegs China, sondern die südwestliche Arabische Halbinsel. Und, anders als im Westen oft angenommen, hängt die Qualität des Jasmin-Tees keineswegs von der Anzahl der Blüten im Tee ab. Wie das?

In den Genuss von Phönix-Drachen-Tee gelangt man auch heute. Allerdings: 500g kosten in Deutschland rund 80 Euro.

Jasmin-Tee zählt in China zu den beliebtesten Hausgetränken. Im Gegensatz zu beispielsweise Zimtblütentee, der ausschließlich aus Blüten besteht, verwenden die Chinesen als Basis Grün- oder halbfermentierte Tees. Echte Tee-Freaks wissen, dass in hochwertigen Jasmintees keine einzige Blüte schwimmt, denn getrocknet haben die Blüten ihr einst intensives, aber flüchtiges Aroma längst verströmt. Generell gilt: je besser die Teesorte und je häufiger der Kontakt zwischen Tee und Blüten, desto edler der Geschmack. Und wie gelangt der Jasmin-Geschmack dann in den Tee? Die einen erzeugen das Aroma durch das Bedampfen über einem Jasmin-Blütenbad, andere steigern die Anzahl der Vermischungen jeweils frischer Blüten mit dem Grüntee, der so genannten „Hochzeiten“. Morgens werden die Blüten geerntet und abends dann dem Tee beigegeben. Bei hochwertigen Tees werden die Blüten wieder entfernt und durch frische ersetzt.

Tee-Tribut für den Kaiser

Die Ursprünge des Jasmintees liegen in der chinesischen Song-Dynastie (960–1279 n. Chr.). Der Tee erfreute sich beim Kaiser großer Beliebtheit, sodass er ihn sogar als Tribut verlangte. Besonders angetan hatten es ihm die Phönix-Drachen-Perlen, jene Teeblätter, die mehrfach bedampft oder „vermählt“ worden waren, um dann kunstvoll zu kleinen Kugeln zusammengerollt zu werden.

Chinesischer Tee-Jasmin – Jasminum officinale ‚Grandiflorum‘
(chin. 茉莉花茶, mòlì huāchá)
  • Höhe, Wuchs: 80 cm | reichhaltige Blüte: weiß, stark duftend
  • Wer selbst eine Pflanze ziehen möchte: diese mag es sonnig und warm, im Winter kann sie kalt, aber frostfrei überwintert werden. Der Boden sollte humos sein, am besten klappt’s im Kübel.

Verwendung:
Heilpflanze, Duftpflanze, Tee

Anwendung:
Die Blüten aromatisieren den beliebten chinesischen Jasmintee. Es gibt aber auch andere Jasminarten, wie den arabischen Jasmin (Jasminum sambac), die verwendet werden. Jasminsirup soll Erkältungen lindern, im Winter angewärmt bei 5–20°C. Ebenfalls soll er Augen- und Lebergesundheit fördern und wer schlecht schläft oder unter Kopfschmerzen leidet, der packt sich ein mit Kissen mit Jasmin unter eben diesen.

Zubereitung:

  1. Etwa 20 Phönix-Drachen-Perlen in eine Kanne geben.
  2. Mit heißem Wasser übergießen, wobei das Teewasser nicht mehr kochen darf. Optimal sind 80 Grad und zwei Minuten Ziehzeit. Dann öffnen sich die Perlen und verströmen ihren betörenden Duft.
  3. Tee in die Trinkschalen gießen und das – mehrmals.

„Abwarten und Tee trinken“ ist zwar kein chinesisches Sprichwort,
das Sitzfleisch chinesischer Teetrinker ist allerdings enorm. 

Wer selbst Tee-Jasmin ziehen möchte: dieser mag es sonnig und warm, den Winter überlebt er kalt, aber frostfrei. 

Teekarte zur Teeverkostung für ‚Langnasen‘: vor allem milde Tees bestimmen die Karte. Der chinesische Gaumen mag es eher herb-bitter … . Punkt 4: Jasmintee

Quelle:
Culinaria China: Chinesische Spezialitäten, tandem-Verlag, 30. März 2015, S. 178f

15 thoughts on “Kaiserlich genießen – Jasmintee”

  1. Hallo Yùnzhi,
    da die Basis des Jasmintees aus grünem Tee besteht, bringt er auch dessen gesunde Eigenschaften mit. Laut dem Fachportal gesundheit.de gehören dazu Wirkstoffe wie die Vitamine A, B, B 12 und C sowie verschiedene Mineralien, zu denen unter anderem Kalzium und Fluorid zählen. Zudem soll sich der Tee bei regelmäßigem Genuss positiv auf den Cholesterinwert auswirken. LG Martina

  2. Hallo, sehr geschätzte Yunzhi,

    das Thema Tee ist ziemlich neu für mich.
    Eigentlich bin ich zum Tee gekommen weil ich den Kaffee reduzieren wollte.
    Als Germane bin ich beim Schwarztee der Ostfriesen gelandet, lecker, aber eben auch gewöhnungsbedürftig.
    Ich habe hier richtig hartes Wasser, und dementsprechend kommen die Gerbstoffe des Tees mit der Brechstange vorbei.
    Vorgestern bin ich bei einem Asialaden über „Gunpowder- Tee“ aus Kina gestolpert, und habe ob des geringen Preises, und meiner durch Dich erweckten Chinaphilie, gekauft.
    Ich hatte ja jetzt feinst gemahlenen/ gebrochenen Tee erwartet (Gunpowder), aber dem war nicht so. Sehr schön blättrig, keinen Dust/ Staub, angenehmer Geruch.
    Das ist mal ein abgefahrener Stoff!
    Schwach gezuckert, knapp 2,5 Gramm pro 200 ml, Ziehzeit 2 Minuten.
    Wirklich lecker und elegant, ein Tee der den gesamten Tag begleiten kann, auch im Sommer als Kaltgetränk vorstellbar.
    Ich bin wirklich begeistert!

    Danke dafür.

    1. Ah, Zhu Chai (珠茶) – Perlen-Tee. Kugelig gerollte Blätter des Grünen Tees. Vermutlich mit intensivem Aroma? Womöglich rauchige Note?

      1. Na, da fragst du mich ja was.
        Nee, sicherlich nicht.
        Ich habe gerade mal 1,50 € für 125 Gramm bezahlt.
        Das Tee ist vorzüglich, der Preis erträglich.
        Chinesische Schriftzeichen finde ich nicht auf meiner Tastatur, das würde mich vermutlich endgültig paralysieren.

        Aber der Tee ist trotzdem Klasse.
        Grüne Verpackung- Viele Chinesische Schriftzeichen- Importeur Henschen& Schrouff OFT.BV
        Ich denke, dass ist ein Mengenerzeugnis.

        Mir ist jedenfalls sehr angenehm.

        Grüße

      2. Jetzt habe ich die Brille aufgesetzt und genauer geschaut.
        Deine angeführten Schriftzeichen finden sich tatsächlich auf der Verpackung, da sind allerdings noch zwei davor.
        Aber ich gehe davon aus das du richtig liegst.

        Insgeheim frage ich mich ja, was die Beherrschung dieser „Bildsprachen“ (Chinesisch/ Japanisch) auf die Gehirnentwicklung bedeutet. Das ist wirklich spannend für mich, da ich ja „nur“ Buchstaben zu Verfügung habe. Die Chinesen/ Japaner aber mehrere Bedeutungen für ein „Symbol“ haben, und trotzdem wissen wo von Sie reden.
        Für mich ist das im Grunde völlig unvorstellbar, aber gut, ich bin auch ein bereits Alter Knochen.
        Ich nehme wirklich an, das dies zu einer völlig anderem denken, anderen Strukturen in der „Mechanik“ führt.

        Vermutlich liege ich wieder mal falsch und bin im Grunde nur neidisch das ich diese Sprachen niemals lernen werden kann.

        Alter Knochen, halt.

        Grüße

        1. Bloß gut, dass du doch noch die Brille aufgesetzt hast. 🙂 Und der ‚Alte Knochen‘ ist ein schönes Stichwort für den nächsten Artikel. Da denke ich zum Wochenende drüber nach.

        2. Hahaha, ich habe mal ein wenig recherchiert was ich da gekauft habe.
          Es ist „Gunpowder- Tea“ bzw. Perlen- Tee der Firma Greeting Pine.
          Die ersten Kannen habe ich quasi ostfriesisch aufgegossen, zum Teil auch einfach kochendes Wasser auf den Tee gegossen und dann nach 2 Minuten die erste Tasse entnommen. (Icke schäm mir ja auch dafür).
          Heute habe ich es mal mit der Empfehlung probiert. Einen Liter Wasser im Wasserkocher aufkochen lassen, nach 5 Minuten die Temperatur des Wassers gemessen (85° C) und auf 9 Gramm Teeperlen gegossen. Nach 2 Minuten in eine heiße Porzellankanne gesiebt.
          Das Ergebnis war ein völlig anderes aber sehr lecker.
          Nur den zweiten Aufguss habe ich noch nicht gemacht, ist dann doch ein wenig viel Tee. 😉

          Grüße

          1. Manometer! Ich merke, es wird ernst mit der Tee-Kocherei. 🙂

            Jetzt noch Teewissen für Angeber, ähm, Insider:
            Zucker und Milch in den Tee? Niemals. Da hört bei den Chinesen der Spaß auf.
            Falls man Besuch hat oder im Restaurant: beim Ein- und Nachgießen auch die anderen am Tisch bedenken. Dabei gilt: den Älteren wird zuerst eingeschenkt.
            Erst wenn alle Schalen gefüllt sind, beginnt man selber loszuschlürfen, langsam und – mit Genuss.
            Dazu das Schälchen mit Daumen und Zeigefinger halten und von unten mit dem Mittelfinger stützen.
            Jederzeit gibt es heißes Wasser für so viele Aufgüsse, wie gewünscht. Dazu den Deckel der Teekanne schräg stellen.

            Ich merke gerade, das könnte ich auch für alle einstellen.

  3. Da werden die Langnasen auf der Suche nach einem neuen Geschäftsfeld wohl beim Chinamann/ frau massiv abgekupfert haben.
    Wobei ich mir die Frage stelle ob der Chinese seinen Tee immer als „Zeremonie“ aufgießt, als ++ des Tages.
    So wie es für „echter Bohnenkaffee“ für lange Zeit in Deutschland galt.
    Oder ob er nun auch zum leidigen Togo- Heißgetränk neigt?
    Was ja in jedem Fall ein Kulturverlust bedeutet.

    Gott, bin ich heute reaktionär.

    Grüße

    1. Der Mensch braucht Reis zum Überleben, der Gelehrte zudem Tee, lautet eine alte chinesische Weisheit. Daran erkennt man schon, wer Zeit und Muße hatte, um sich der Zeremonie mit allem Drum und Dran hinzugeben.

      Im Alltag, das ahnst du richtig, benutzen die Chinesen weder Sieb noch Filter. Sie geben die Blätter direkt in große Tassen, Thermoskannen oder – Schraubgläser. Von letzteren, so scheint es, trennen sie sich dann den ganzen Tag nicht mehr. 🙂

      Und in Sachen Teezeremonie: zu Zeiten der Tang-Dynastie (618-907) bildete sich die chinesische Teekultur aus, bei der zum Genuss von Tee ein philosophisch-kultureller Kontext zugeordnet wurde. Am Kaiserhof der Tang entwickelten sich auch die ersten Formen der Teezeremonie; zu Zeiten der Song-Dynastie ( 960-1279) verbreiteten Literaten und Mönche das Getränk schließlich im Volk, die Teehäuser entstanden.

      1. Gibt es bei den „Tee- Zeremonien“ eigentlich markante Unterschiede zwischen Japan und China?
        Oder zerbröselt meine Vorstellung von Einheitlichkeit an denn knapp 1 Mrd. Einzelindividuen.

        Ich habe vor 20 Jahren kurzfristig in der Gastronomie gejobbt, und eines Tages durften wir eine Gruppe von chinesischen Geschäftsmännern begrüßen.
        So richtig glücklich wirkten Sie jedoch nicht, nachdem ihnen der Schwarz- Beutel- Tee- Aufguss serviert wurde.
        Nachdem Sie diesen getrunken hatten, versuchten Sie heißes Wasser nach zu ordern, für einen zweiten Aufguss.
        Die Bedienung hat das einfach nicht verstanden, die Idee war ihr völlig abwegig.
        Bis heute frage ich mich welchen Eindruck dies bei den Herren hinterlassen hat.
        Irgend etwas mit Barbar wird es wohl gewesen sein.

        Liebe Grüße

        1. Schwarzer Tee, Teebeutel, nur ein Aufguss – Ja, sehr wahrscheinlich wird da irgend etwas mit Barbar bei rausgekommen sein. 🙂
          Japan und Tee – da bin ich vorsichtig, weil ich mich da nicht auskenne.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.