Kaiserin Wu Zetian & freizügige Dekolletés

Screenshot Spiegel online vom 06. Januar 2015

Die Saga von Wu Zetian mit dem chinesischen Superstar Fan Bingbing ist das Fernsehereignis dieser Tage in China, doch nach der Premiere kurz vor Weihnachten stoppte die 80-teilige Serie von Hunan-TV abrupt. „Technische Probleme“, hieß es. Nun rätseln also nicht nur die Chinesen, ob es stattdessen an den allzu freizügigen Dekolletés der Damen aus der Tang-Dynastie lag, an denen sich Chinas oberste TV-Behörde störte. Fünf Tage später ging es weiter im Programm des chinesischen Fernsehens, ohne Dekolletés, dafür mit verdächtig vielen Nahaufnahmen. Das Thema des Spiegels ‚Kampagne der Sittenwächter: Chinas neue Angst vor Sex‘ führte zu einer regen Diskussion im Spiegel-Forum: über die Sexualität der Chinesen allgemein, die sexuelle Aufklärung im Reich der Mitte sowieso und die richtige Darstellung der Bekleidung der Damen im Film:

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Screenshot  Spiegel online  vom 06. Januar 2015

Die tolerante Tang-Zeit

Zugeknöpft bis unters Kinn? Wenn das mal nicht nur so ein Bauchgefühl in Fragen des chinesischen Mittelalters ist. Die Tang-Zeit gilt als offene und tolerante Phase in der chinesischen Geschichte, auch den Kleiderstil betreffend.

„Sie öffneten den Kragen so weit, dass man das Dekolleté sehen konnte. Dies war noch nie da gewesen und unvorstellbar in den vorigen Dynastien, in denen Frauen … ihren gesamten Körper verdecken mussten.“

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Tang woman“. Lizenziert unter CC BY-SA 2.0 über Wikimedia Commons

Berühmte Maler jener Zeit porträtierten opulente Frauen, offensichtlich ein Schönheitsideal in der Kunst jener Zeit. So auch Zhou, der in seinem Gemälde „Dame mit Blume im Haar“ eine Frau in einer Robe zeichnet. Diese bedeckt den Oberkörper nur leicht und lässt weiche Schultern unter einem Seidenumhang ahnen.

„Von 618 bis 907 n. Chr. war die damalige chinesische Hauptstadt Xi’an, einst Chang’an genannt, nicht nur Zentrum der Macht, sondern auch Mittelpunkt neuer Modekreationen. Man gab sich offen und tolerant ….“ Der Stil der Kleider veränderte sich im Laufe der Tang-Dynastie immer wieder. Ein Kleid jener Tage hatte „eine hohe Taille und war tief dekolletiert.“


Chinas einzige Kaiserin

Die historische Wu Zetian lebte von 624 bis 705 und regierte China als einzige Frau mit dem Titel chinesischer „Kaiser“, durfte auch als Frau den Tempel des Himmlischen Friedens betreten und dort für gute Ernten beten. Alte Schriftrollen weisen darauf hin, dass es während der Herrschaft der Kaiserin für Frauen üblich war, Kleider zu tagen, die Schultern und Nacken entblößten. Doch derart „gequetschte“ Brüste wie in der TV-Serie … nun ja,  entspringen wohl der Fantasie der Filmemacher.


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Gemenge-Lage: Hitler neben Ernesto “Che” Guevara, Barack Obama und Mao auf Streichholzpackungen nebst eindeutigen … nun ja. …  | 2014 in Yangshuo

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Quellen:
*1 german.china.org: Frauenkleidung in der Tang-Dynastie

*2 cri.online: Die Mode-Trends der Tang-Dynastie
Kai Vogelsang, Reclam, Philipp, jun. GmbH, Verlag (1. April 2012), Geschichte Chinas, S. 243 ff

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