Jiaogulan – das Kraut der Unsterblichkeit

Seit ein paar Wochen rankelt es in meinem Garten – Jiaogulan (ç»žè‚Ąè“), das Kraut der Unsterblichkeit, das die feuchten BergwĂ€lder SĂŒdchinas liebt. Ein Freund schenkte mir das PflĂ€nzchen vor ein paar Wochen. Erbeutet hat er es in einer GĂ€rtnerei, wo es als gesundheitsfördernd angepriesen wird. Das rankende KĂŒrbisgewĂ€chs, das mehr als acht Metern lang werden kann, soll u.a. SchlaganfĂ€llen, Herzinfarkten, Arteriosklerose und vielen anderen Krankheiten vorbeugen und sogar die Zahl Krebs auslösender Stoffe im Körper reduzieren können. Was ist da dran?

Um es gleich zu sagen, einen evidenzbasierten Nachweis konnte ich bei meiner Recherche nicht finden. Klinische Studien, hier im Beispiel zur Blutdrucksenkung, sind auch Dr. Thomas Rampp unbekannt. Er ist der Leiter des Instituts fĂŒr Naturheilkunde, Traditionelle Chinesische und Indische Medizin am Knappschafts-Krankenhaus in Essen und empfiehlt: „Bei den vielen beschriebenen Wirkungen wĂ€re ohnehin zu fragen, ob es sich nicht eher um ein Arzneimittel handelt, das vor dem Inverkehrbringen auf Wirksamkeit, Sicherheit und pharmazeutische QualitĂ€t geprĂŒft werden mĂŒsste.“*1

Chinesische Medizin

Genießen soll man die Wurzel, besser das Kraut und das getrocknet als Tee, sagt die Medizinerin und Mama von Herrn P., denn der Tee aus den BlĂ€ttern ist wohlschmeckend. In der Literatur eignen sich auch frische BlĂ€tter und mit den jungen, knackigen Triebspitzen sollen sich auch Salate um eine angenehme, exotische Komponente bereichern lassen. „Wichtig ist“, so die Mama, „wer eine schwache Konstitution besitzt und schnell friert, fĂŒr den ist das Kraut ungeeignet.“

Jiaogulan – hauptsĂ€chlich in Kanton, Yunnan, Sichuan vorkommend; Hauptcharakter: bitter, sĂŒĂŸ, kĂŒhl; harmonisiert BauchspeicheldrĂŒse und Lungen; … Wirkung: auf den ganzen Körper, löst Schleim und Husten, senkt innere Hitze, Schwellungen, EntzĂŒndungen. 10 bis 20 g in Wasser kochen oder als TeeblĂ€tter verwenden.
Chinesische Apotheke

Verwendbare Teile
Aus den getrockneten oder frischen BlÀttern wird ein Tee zubereitet

Inhaltsstoffe
Ätherische Öle (Allicin), Vitamine A und C, Mineralien (Kalzium). Die leicht nach Lakritz schmeckenden BlĂ€tter enthalten vier Mal (80) so viele Saponine wie der Ginseng. DarĂŒber hinaus liefert die Pflanze verschiedene AminosĂ€uren.

Heilkunde
Einzunehmen bei ErkĂ€ltungen, EntzĂŒndungen, Diabetes, Kreislaufleiden. Jiaogulan wirkt beruhigend bei Erschöpfung, Unruhe und Stress, Einschlafstörungen und erhöhtem Blutdruck. Außerdem senkt das Kraut den Blutzuckerspiegel und die Blutfettwerte.

âžĄïž Wissenschaft
Dabei handelt es sich aber v.a. um Erfahrungsberichte, viele dieser Befunde „bedĂŒrfen wohl noch einer ÜberprĂŒfung, und erst recht muss eine entsprechende Wirksamkeit im menschlichen Körper noch nachgewiesen werden.“ *2

A hand-book to the flora of Ceylon (Plate XLV) (6430647805).jpg

Von Alston, A. H. G.; Hooker, Joseph Dalton; Trimen, Henry – https://www.flickr.com/photos/biodivlibrary/6430647805, Gemeinfrei, Link

Quellen:
*1 – Ökotest: Leserfragen: Jiaogulantee. (Memento des Originals vom 14. August 2014 im Internet Archive)
http://www.naturtest.com/jiaogulan/
http://www.kraeuterweisheiten.de/ginseng-und-jiaogulan.html
*2 – https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2009/daz-10-2009/jiaogulan-das-kraut-der-unsterblichkeit

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