Hongkong: Wohnen im Rohr

Zwei Quadratmeter große „Käfig“-Wohnungen als Auswüchse der Wohnungsknappheit in Hongkong haben in der Vergangenheit schon Schlagzeilen gemacht. Jetzt hat ein Architekt der Stadt eine Mini-Bleibe in einem Industrierohr entworfen, um eben diesem Mangel zu begegnen.

“My dream is the OPods will be a new kind of living
for young people just starting out in life.”

James Law, Architect-

Der Prototyp von James Law hat immerhin knapp zehn Quadratmeter Wohnfläche bei 2,5 m Röhren-Durchmesser, an jedem Ende befindet sich eine Glastür, eine Küche, ein Bad und eine Schlafcouch. Wo sollen die Wohn-Röhren stehen? Law kann sie sich in Lücken zwischen Gebäuden, unter Autobahnbrücken oder auf Dächern bestehender Häuser vorstellen. OPod-Röhrenhäuser können zudem in kurzer Zeit zu einer modularen Gemeinschaft gestapelt werden und auch an andere Standorte der Stadt verlegt werden. Auch so ein Umzug ist keine große Sache: Rauf auf den Truck das Mikro-Heim und – auf und davon!

Was viele nicht wissen,

… die Stadt ist mehr als ein Moloch: nur eine Fährfahrt von der Metropole entfernt breiten sich Stille und viel Grün aus, denn zu Hongkong gehören auch rund 260 Inseln. Sogar leere Strände gibt es. Eine Freundin weilte dort für ein paar Tage mit Mann und zwei Söhnen – und sendete diese Fotos an den Pan-da:  🙂

Quellen (abergerufen am 20.03.2018):
Website: James Law Cybertecture | Screenshot Startfoto
Deutschlandfunk: Wohnen im Rohr gegen Wohnraummangel

7 thoughts on “Hongkong: Wohnen im Rohr”

  1. Ich habe mir wegen der Wolkenkratzer jetzt die Einwohnerzahlen per Wiki aufgerufen.

    Honkong: 7,3 Mio. in 2017. Fläche 1104 km². 6429 Einwohner pro km².
    Berlin: 3,6 Mio. in 2016. Fläche 891,68 km². 4.009 Einwohner je km².
    2500 Menschen mehr auf dem Quadrat- Kilometer, das ist für mich nicht vorstellbar!

    Grüße

  2. Hallo,
    mir gefällt die Idee immer besser. Wenn der Architekt das Projekt noch „ökologisch“ und nach den sozialen Bedürfnissen der Menschen ausrichtet, könnte es gut werden. Mit Ökologisch meine ich das Auffangen von Regenwasser in Zisternen als Brauchwasser. Die Toiletten als „Feststoff-Klo“, wobei ich jetzt natürlich überhaupt nicht weis wie das „Geschäft“ in China gehandhabt wird. Es ist jedenfalls so das unser deutsches Wegspül-System eigentlich monströs dekadent ist. Die Herstellung und Instandsetzung der Kanäle ist teuer, das Spülwasser hat Trinkwasserqualität und unserer Ausscheidungsprodukte beinhalten eine Menge Mineralien, die als Dünger wertvoll sind. Phosphat ist hier das Stichwort, nebenbei haben wir ja auch ein Problem mit Medikamentenrückständen. Die sollten unverdünnt leichter zu beseitigen sein.
    Mit sozialen Bedürfnissen meine ich die Gestaltung der Innenhöfe als „Treffpunkt“, als kleine Parks. Ein „Waschhaus“ wo sich die Bewohner Waschmaschinen teilen, vielleicht sogar eine Art „offene“ Küche. Man könnte aus der Idee viel mehr machen als einfach nur „Arbeiterschließfächer“. Ich bin gespannt was der chinesische Pragmatismus aus dieser Idee macht.

    Grüße

    1. Hallo flurdab,
      Hut ab! Du machst dir richtig gute Gedanken, finde ich. In der Tat ist über das ganze essentielle Drum und Dran bislang nichts zu lesen. Das kann zum einen daran liegen, dass sich die Initiatoren zwar durchaus Gedanken gemacht haben, die Röhren-Idee aber der eigentliche Neubeginn zur Käfig-Alternative ist und die erhoffte Aufmerksamkeit für das Projekt stiftet. Es kann aber auch sein, dass sie sich auf die vorhandene Struktur einlassen müssen, was beispielsweise das Abwasser-Thema betrifft.
      Wir sollten in Sachen Wohnröhre auf Radar sein, können ja aber unabhängig davon, auch beim Architekten James Law nachfragen, wie er sich das mit seiner Idee so vorgestellt hat. Er selbst sagt: “My dream is the OPods will be a new kind of living for young people just starting out in life.” Junge Leute bringen die Themen manchmal auch noch hartnäckiger voran.
      Schöne Ostern dir,
      herzlichst
      Catrin

  3. Interessantes Projekt.
    Ich erinnere mich an Reportagen über das Leben in Gitterboxen in Hongkong (1990/ Spiegel). Ebenso über ein völlig verschachteltes „Wohnquartier“, welches als einstöckiges Dorf gegründet wurde, dann aber im Laufe der letzten 200 Jahre(?) in der Höhe über baut wurde. In den USA werden ja gerade die „Tiny Houses“ gepusht, da ist mir die chinesische Antwort auf Wohnungsnot lieber.
    Klar, wenig Platz. Aber wie will man sonst menschengerecht auf den Wohnraummangel reagieren. Ich vermute das die Chinesen auch noch nicht so sehr an überflüssigen Besitz gebunden sind wie die Europäer. Besitzen kann man eigentlich nur das, was man auch selber wegtragen kann. Da sehe ich ja schon bei mir ein deutliches „to mutch“.

    Liebe Grüße

    1. In jedem Fall eine Alternative zu den menschenunwürdigen Käfigen. … Ich überlege gerade, wie man bei einem Modularsystem beispielsweise in die dritte Etage gelangt? Gibt’s Ideen?

      1. Ja, über das Treppenhaus. 🙂
        Wenn du deine Graphik vergrößerst, kannst du in der Mitte zweier Module einen Hof erkennen, in dem sich ein offenes Treppenhaus mit Galerien findet. Von den Galerien kommt man in die „Wohnungen“. Die Ansicht mit den Klimaanlagen ist quasi die Rückwand.
        Mich erinnert es ja ein Tanklager (Gär-/ Lagerkeller) in Brauereien aus dem letzten Jahrhundert. Ich kann mir vorstellen das durch geringen Auflageflächen sehr wenig Schall übertragen wird, das wohnen sich also angenehm leise darstellen wird.

        Grüße

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