„Guns and Roses“ – chinesische Kreative im Kunstwerk in Potsdam

Ai Weiwei? „Völlig überbewertet“, meinen chinesische Freunde. „Wir haben mehr als diesen einen. Und wir haben bessere.“ Aha. Wie soll man das werten? Eine Chance bietet derzeit die Potsdamer Ausstellung ‚Guns and Roses‘.

‚Guns and Roses‘, Waffen und Rosen, Krieg und Frieden – wer einen Zusammenhang zur Geschichte Potsdams vermutet, der liegt richtig. Und wer zur US-amerikanischen Hardrockband „Guns N’ Roses“, der hat ebenfalls recht. Ist es doch deren Bandname, der der Ausstellung das Motto gab. Politisch und jung sind auch die zwölf chinesischen Kreativen, die derzeit in der Schiffbauergasse ihre Werke präsentieren. Eine neue Künstlergeneration aus China? Möglicherweise besser als Ai Weiwei? Dann nichts wie hin. An diesem Sonntag sind nur wenige Leute hier, aber die, die es in die vier Ausstellungsräume geschafft haben, filmen, fotografieren, wispern sich ihre Deutungen zu oder erklären weniger Trainierten Maltechniken mit Farbschichten.

Xiang Yang: Dust in Evolution # 1 (2013)

Xiang Yang hat für seine Arbeit eine Holzplatte von mehreren Quadratmetern Größe mit grau-gelben Farben beschichtet, zuletzt mit weißem Lack. Diesen hat er später abgeschabt und Miniaturen geschaffen: Radfahrer, spielende Kinder, Wasserträger und – Soldaten. Sie stehen auf ihren abgetragenen Krümel-Silhouetten, verpackt in Plastiktütchen. Sind diese Menschen jetzt ungeschützt?

Xiang Yang: Dust in Evolution # 1, 2013

Xiang Yang: Dust in Evolution # 1, 2013

Xiang Yang: Dust in Evolution - Detailaufnahme

Xiang Yang: Dust in Evolution # 1 – Detailaufnahme (aus dem vorherigen Bild rechts unten)

Zheng Lu – Installation

Nichts scheint, wie es ist. Hier hängen keineswegs rote Lampions zum chinesischen Mondneujahr. Es sind Bomben, die von der Decke fallen. Ihre Körper bestehen aus gestanzten Glückszeichen. Wem bringen diese Bomben Glück?

Zheng Lu

Zheng Lu

Cai Dongdong: Shooting Practice (2015)

Wer zielt hier auf wen? Mit dem Spiegel richten der Rotarmist und das Mädchen die Waffe gegen sich selbst. Sieht so die Logik des Krieges aus? Das Foto stammt aus Propagandamaterial aus den 60er-Jahren.

Cai Dongdong: Shooting Practice, 2015

Cai Dongdong: Shooting Practice, 2015

Zheng Lu: Kommunismus  II (2014-2015); Ölbild-Video-Installation

Ein Parcours durch die kommunistische Ahnenreihe: Marx, Engels, Lenin, Stalin und Mao. Das gelingt mit immer neuen Farbschichten. Die Veränderungen hält der Künstler in einem Zeitraffer-Video fest. Bis am Ende das fertige Ölgemälde entsteht, zu dem jeder der fünf Protagonisten Teile seines Antlitzes beigesteuert hat.

Zheng Lu: Communism II, 2013 bis 2014

Zheng Lu: Kommunismus  II (2014-2015): hier Marx, Stalin, dann ein Verwandlungsmoment von Stalin zu Mao, Mao mit dem zeichnenden Künstler und das fertige Ölgemälde.

Das Ahnenreihe erinnert mich an ein Foto, das ich 2014 in der Altstadt von Xingping aufgenommen habe. Schaut mal.  🙂

September 2014: Marx, Engels, Lenin, Stalin und Mao – Ein offenes Wohnzimmer in der Altstadt von Xingping.

Und Ai Weiwei? Das Museum zeigt keine typischen Großinstallationen, wie er sie mag. Zu klein die Ausstellungsfläche. Und kaum notwendig, wenn man sich die Werke betrachtet. Auch wenn ich nicht hinter jede der oft doppeldeutigen Metaphern komme: die Show kratzt am Lack des Nichtwissens von China, von dessen Kunstszene wir oft nicht viel mehr kennen als Ai Weiwei.

 


Ausstellung:
Mi-So, 13-18 Uhr, 4. März bis 10. April. Der Eintritt ist frei.

Veranstaltungsort
Kunstraum Potsdam
c/o Waschhaus gGmbH, Schiffbauergasse 4 D
14467 Potsdam

Die 12 Künstler:
LU ZHENGYUAN / WANG ENLAI / CAI DONGDONG / ZHANG ZHEYI / SHI GUOWEI / KANG JING / LI TIANQI / ZHENG LU / LUO QIANG / CHEN JIAYE / HAO SHIMING / XIANG YANG


2 thoughts on “„Guns and Roses“ – chinesische Kreative im Kunstwerk in Potsdam”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.