Geschenk mit beiden Händen überreichen. Warum? (für Jürgen)

Hallo Yunzhi, also der China-Knigge schreibt vor welche Geschenke passend sind und welche nicht. Enorm wichtig ist das Geschenk mit beiden Haenden zu ueberreichen. Aber warum? Angenommen ich verschenke einen Rueckenkratzer (Ruyi-Zepter).“ Das fragt Jürgen, der von Zeit zu Zeit beim Pan-da seine Fragen los wird.

Ahh, das Ruyi-Zepter, da ist es wieder. 😉  Der China-Knigge? Interkulturelle Tipps, wie man sich in China verhalten solle, gibt es mittlerweile en masse. Einige Blogs und Websites berichten von der Zwei-Hand-Regel und dass früher so dem Kaiser Geschenke übergeben worden sein sollen. In meinem Umfeld sah ich indess noch nie jemanden ein Geschenk mit beiden Händen überreichen oder annehmen. Weder bei meiner an der chinesischen Ostküste lebenden Familie in Suzhou, Shanghai bzw. Ningbo, bei chinesischen Freunden oder bei Geschäftsessen in Peking. Auch Herr P. hat es es nie praktiziert und zuckt fragend die Schultern. Es gibt jedoch Regionen, wo es üblich sein soll, aus der Provinz Gansu ist es mir berichtet worden.

Es gibt eine Ausnahme und das ist das Überreichen einer Visitenkarte. Für uns mag das Teilchen ein Stück Papier mit Kontaktdaten sein, in China steht sie als Symbol für eine Person und dieser erweist man Respekt. Und so läuft das Procedere ab: Wenn euch jemand mit zwei Händen seine Visitenkarte reicht, dann nehmt ihr sie auch beidhändig entgegen. Übergibst du deine Visitenkarte, dann so, dass dein Gegenüber sie lesen kann. Vor allem aber, zeige Interesse am anderen und frage beispielsweise, wie sein Name ausgesprochen wird.

Kleiner China-Geschenk-Knigge

Tee-Eier statt Blumen.

Wir sind eingeladen. Knapp 60 Leute, vor allem Berliner Chinesen. Der große Sohn unserer Freunde hat in Oxford geheiratet und stellt nun auch den Berliner Freunden, Klassenkameraden und Verwandten seine Frau vor. Beim Aussuchen eines Geschenks mit zwei befreundeten chinesischen Paaren bekomme ich allerdings das große Wundern – denn es wird eine Uhr. Willkommen im modernen China. Denn dass hier ursprünglich andere Regeln gelten, habe ich beizeiten registriert.

Aufgepasst:

  • Uhren – verschenkt man laut Knigge nicht. Weil das Wort für Uhr im Chinesischen wie ‚Ende‘ klingt und ein baldiges Ableben des Beschenkten wünscht keiner.
  • Blumen – auch die lieber nicht, schon gar nicht in den „Todes-Farben“ weiß oder gelb, da sie ursprünglich ausschließlich als Grabschmuck verwendet wurden. Selbst in der ersten Zeit unseres Kennenlernens bekam ich keine Blumen von Herrn P., sondern – selbst gekochte Tee-Eier.  🙂
  • Auf die Stückzahlen achten: nie vier Teile, denn die Vier wird auf Mandarin genauso ausgesprochen wie das Wort für Tod. Die ultimative Glückszahl ist die Acht.
  • Geschenk in die Glücksfarbe Rot wickeln.

Geht (fast) immer:

  • Etwas Ess- oder Trinkbares. Die meisten Chinesen lieben Tee, bevorzugt Grünen Tee, gern in der traditionellen Form von gepressten Teeblöcken.
  • Als Ausländer: etwas Originales aus dem Heimatland, keinesfalls ‚made in china‘: Keramik, Kosmetik (sehr gern Handcremes), Essen, …

Knigge und Zwei-Hand-Regel hin und her – viel wichtiger sei, so meine chinesische Familie, dass einem bewusst ist, dass sowohl Geschenke als auch Einladungen die Verpflichtung enthalten, sich zu revanchieren. Und es ist unüblich, erhaltene Geschenke sofort auszupacken. Man legt sie beiläufig an den Rand, um bei Nichtgefallen das Gesicht wahren zu können, denn im Gegensatz zu unseren westlichen Vorstellungen von China tun sich die Chinesen schwer, mangelnde Begeisterung überspielen zu müssen, falls das Geschenk missfällt. Das Preisschild wird in der Regel bewusst dran gelassen, schließlich soll der Beschenkte sehen, wie sehr man sich für ihn verausgabt hat.

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