Essen mit Stäbchen

Wie isst man mit Stäbchen? Alles eine Frage der Technik. „Bitte zeigen, ganz langsam“, bitten uns Freunde im China-Restaurant. Und weil sie auch zu Hause üben wollen, gern hier für alle im Pan-da. Los geht’s! 🙂

你 会 用 筷子 吗?

Nǐ huì yòng kuàizi ma?
Do you know how to use chopsticks?

Schritt 1: Das erste Stäbchen legt ihr zwischen Daumen und Zeigefinger der rechten Hand. Dabei ragt das dickere Ende ca. 1/3 über den Handrücken hinaus. Der Ringfinger stützt das Stäbchen zusätzlich ab. Dieses Stäbchen wird nicht bewegt. (untere Stäbchen, siehe Grafik, Lizenz CC0)

Schritt 2: Das zweite Stäbchen legt ihr zwischen Zeige- und Mittelfinger und stützt es mit eurem Daumen. WICHTIG: Achtet darauf, dass die beiden dünnen Enden auf gleicher Höhe sind, damit sich die Stäbchen nicht überkreuzen. Euer Mittelfinger steuert dieses obere Stäbchen, während das untere fest fixiert bleibt.

Und dann geht’s los: Chinesische Speisen werden in der Regel so serviert, dass du mit den Stäbchen die mundgerecht geschnittenen Stücke problemlos greifen kannst. Und weil wir gerade dabei sind:

Wieso essen Chinesen überhaupt mit Stäbchen?

Warum nicht? Man könnte auch uns fragen, warum wir mit Messer und Gabel hantieren? In Europa hat sich unser Besteck ohnehin erst richtig im 19. Jahrhundert etabliert. Gegessen haben wir bis dahin – mit der Hand. Die Chinesen fischten wahrscheinlich schon im 2. Jahrtausend v. Ch. (Shang-Dynastie) ihre Leckereien mit Zweigen aus dem Topf. Zuvor wurden, wie in Europa, Messer lediglich zum Zerkleinern der Speisen benutzt. Kleine Happen, die man sich sofort in den Mund stecken konnte, waren nicht nur praktisch, sondern auch ökonomisch, denn Brennholz war bereits im alten China knapp und klein geschnittene Zutaten wurden schneller gar.

Wie essen Chinesen ihre Suppe?

Die Frage hatten wir hier schon mal und wissen: der einzige Weg, die langen Teigteile unfallfrei aus der Suppe zu angeln sind – Stäbchen. 😉 Die Brühe selbst wird oft aus dem Schälchen getrunken, das heißt, mehr oder weniger geräuschvoll geschlürft. Und so geht’s: Mit der linken Hand die Schale unter das Kinn klemmen und mit der rechten mit den Stäbchen den Inhalt in den Mund schaufeln. Eleganter funktioniert es mit dem chinesischen Porzellan-Löffel in der linken Hand.

Tischsitten

Was ich beobachtet habe: Im familiären Kreis geht es weitaus lässiger, was die Handhabung der Stäbchen angeht. Da wird so eine widerspenstige Teigtasche schon mal einfach aufgespießt. Im Internet gibt es jede Menge Anleitungen, was zu tun und zu lassen ist, die wichtigsten sind wohl diese hier:

Auf keinen Fall: eure Stäbchen senkrecht in die Reis-Schüssel stecken. Dies erinnert an Trauer-Zeremonien und gilt als todsichere Art, die Geister und Dämonen an den Tisch zu locken. Ja, wer will das schon? 😉

Unhöflich: mit Stäbchen herumspielen oder auf Personen deuten.

Beleidigt den Gastgeber: mit den Stäbchen auf Tisch oder Schüsseln herumtrommeln. Dies tun Bettler oder man zeigt an, dass es einem nicht schnell genug geht.

Quellen:
Françoise Hauser und Volker Häring: China 151, Verlag: CONBOOK; Oktober 2014 (1. Auflage), S. 210
Ursula Heinzelmann, CHINA: Die Küche des Herrn Wu, Tre Torri Verlag 2018, S. 25


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