Eingekreist

Ningbo. Mit unseren Cousins manövrieren wir uns am Stadtrand durch die Straßen. Wir überqueren eine Kreuzung. Fast. Zwei Autos zuckeln vor unsere Motorhaube. Es folgen zwei weitere Limousinen, ein Kleinbus und ein Motorroller. Ein Bus stoppt nur wenige Zentimeter vor meiner Beifahrertür. Alle hupen. Doch es hilft nichts, wir hängen fest.

Verkehr_Ningbo_800Man muss halt fix sein

Alles ist anders in China. Auch beim Straßenverkehr. Herr P. weigert sich hier, sich selbst hinters Lenkrad zu setzen. Wer je in diesem Land unterwegs war, ahnt warum. Man kann zum Bungeespringen gehen oder am chinesischen Verkehr teilnehmen. Keine Sorge, auch als Fußgänger ist der Adrenalinkick gewiss. Ein Zebrastreifen ist in China bestenfalls als Vorschlag zu werten, dass man hier die Straße überqueren könnte. Denn halten tut hier niemand. Warum auch? Motorroller brausen von links und rechts auf einen zu oder kommen einem gleich direkt auf dem Zebrastreifen entgegen. Man muss halt fix sein. Durchgezogene Linien? Ach was, chinesische Autofahrer beweisen gern, dass man hier sehr wohl überholen kann. Man muss nur … OK, das hatten wir hier schon. Rummst es dann doch einmal, geht es zur Sache. Ich sah einen Unfallbeteiligten auf einer Autobahn schon mit der Axt auf den vermeintlichen Übeltäter losrennen. Woher wir die Vorstellung haben, dass Chinesen zurückhaltend und ruhig sind? Unklar.

Wir haben uns hier in Ningbo nur verkeilt. Nichts Wildes. Aus dem tosenden Verkehrsknoten rettet uns ein vorausfahrender Cousin. Er hat unser Dilemma bemerkt, stellt sich auf die Kreuzung und dirigiert das hupende Chaos. Acht Zentimeter vor, 15 zurück. Alle machen mit. Und dann – rollen wir zur nächsten Kreuzung.

Eingekeilt:

Ningbo_Verkehrsknoten_800

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