Glücklich enteignet

Hochhäuser, kugelig geschnittene Hecken und Bäume, eine Autowerkstatt, ein kleiner Park, erneut Hochhäuser, Altbauten, ein kleiner Laden, ein einzelnes Haus am Bach, dann tauchen am Horizont gelb leuchtende Felder auf. Zwei Straßenkreuzungen weiter und wir sind am Ziel. Am Stadtrand von Ningbo. Was wollen wir in dieser öden Gegend?

Hier lebten einst die Eltern der Schwiegermama sowie ein älterer Bruder, alles kleine Unternehmer. Dieses Stück Erde wird es so nicht mehr lange geben. Unser Cousin zeigt auf das Gehöft seines Onkels oder besser auf das, was von diesem übrig geblieben ist.

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Gelbe Felder – Wir sind am Ziel

Um das Gerippe herum: Unrat. Ganze Berge davon. Am Wegrand ein Schild: Müll abladen verboten! Zwischen den Ruinen sortieren drei, vier Männer irgendetwas, zwei Frauen waschen Kleidung in einer Plastikwanne. „Fremder Dialekt“, sagt Herr P. „vermutlich sind es Wanderarbeiter.“

Sie lächeln freundlich. Wir auch. Ein Hund mit eitrigem Auge nicht. Der kläfft bissig und nimmt irgendwann unsere Verfolgung auf. Das nur wenige Hundert Meter entfernt stehende Elternhaus der Schwiegermama ist mit vielen anderen bereits verschwunden. Planiert. China braucht Land für seine Städte. Irgendjemand nutzt die Zeit zwischen Abriss und Neubau und baut Gemüse an. Die alten Leute entdecken einen Mauerrest vom einstigen Zuhause ihrer Kindheit und Jugend und sind nun doch aufgeregt.

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Hier lebte einst ein älterer Bruder. Das Schild links sagt: Müll abladen verboten.

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In den Ruinen und dem Unrat leben Menschen.

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Am Horizont: die Stadt naht.

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Hier stand einst das Haus der Eltern von Herrn P.. Irgendjemand nutzt die Zeit zwischen Abriss und Neubau und baut Gemüse an.

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Die alten Leute entdecken einen Mauerrest.

Zum Glück – enteignet

Wir fahren weiter. Hier am Stadtrand lebt in einem 5-etagigen Reihenhaus ein weiterer Cousin. In den beiden unteren Etagen produzieren seine Angestellten Brettspiele, in den oberen befinden sich Büros, Räume mit Tischtennisplatten und die Wohnung seiner Familie. Seit kurzem leben hier auch seine Eltern. Vorübergehend. Sie sind enteignet worden. Unser Cousin hat sie in einem Haus auf der Dachterrasse untergebracht.

Den Besitz beschlagnahmt? Zum Glück, findet der Enteignete. Er hat das große Los gezogen, freut sich die zahlreiche Verwandschaft mit ihm, denn der Staat zahlt dem jüngeren Bruder meiner Schwiegermama pro Monat zwischen 7.000 und 8.000 Yuan Überbrückungsgeld. Das sei so üblich. In den nächsten zwei Jahren wird ihm die Regierung ein Grundstück oder eine Wohnung anbieten. … Wenig später erfahre ich, auch die jüngere Schwester der Schwiegermama ist ihre Wohnung los. Enteignet. Was für ein Glück. Noch wohnen die Lehrerin und ihr Mann bei der Familie der Tochter. Küchenzeile, Betten, Sofa, … – die neue Wohnung ist hergerichtet, wir besichtigen sie, doch so ein Umzug will in China wegen der unberechenbaren Geister wohl überlegt sein und findet daher erst nach dem Qingming-Fest statt.

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Im Haus des Cousins: in den beiden unteren Etagen produzieren Angestellte Brettspiele.

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Blick von der großflächigen Dachterrasse in Richtung Felder und Horizont.

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Blick zur anderen Seite.

Eine Straße ins Nichts, gelb leuchtender Raps, ein einzelnes Haus, ein kleiner Laden. Irgendwann Hochhäuser, eine Magistrale und kugelig geschnittene Sträucher, … . Wir sind auf dem Rückweg. Ich träume auf der Rückbank. Was ist Glück? Wer definiert es? Meines und das der anderen?

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