Die Beulen des Pangu (für Jürgen)

„Hallo Yunzhi, also im Netz gibt es so einiges über Pangu. Das erste Lebewesen. Der Anfang des Universums. Aber was ist Pangu genau für einen Chinesen. Gott, Halbmensch und Halbdrache, Riese? Insbesondere sein Aussehen wirft so manche Fragen auf ?;-) Warum hat er so viele Haare und zwei Beulen auf dem Kopf.“

Hallo Jürgen,

Die Menschen glaubten, ihr Kaiser könne die Gestalt eines Drachen annehmen, denn der Drache galt als Symbol der Macht. … [weiter]

wie du aus anderen Anfragen hier weißt, es ist vermessen, für alle Chinesen sprechen zu wollen. Die Geschichte des Pangu kennen sie selbstverständlich, meine Chinesen, und zu den zwei Beulen und den Haaren gab’s nach wenigen Stunden die erste Antwort. Direkt aus Shanghai, hier im Original:

„… 盘古是中国老百姓心中的神,头上二只角是龙的形象。
古人都养长头发的,认为身体,发肤受之父母,不能随便丟棄。…“

„… Pangu ist der Gott der Herzen der Chinesen. Die zwei Hörner auf seinem Kopf allegorisieren den Drachen. Die alten Chinesen glaubten, dass neben ihrem Körper auch die wertvollen Haare von den Eltern vererbt und keinesfalls weggeworfen werden könnten. …“ Also wuchsen sie. Siehe auch unten zu der südchinesischen Herkunft des Pangu.

Nun bin ich gespannt, was du dazu sagst und wo dein Interesse für Pangu herrührt.  🙂

Kleine Pangu-Kunde*

Pangu, chinesisch 盤古 / 盘古, Pinyin: Pángǔ, ist in der chinesischen Mythologie das erste Lebewesen auf der Erde.

Einst, als Himmel und Erde noch eins waren, wurde Pangu zwischen Himmel und Erde geboren (Von wem, wenn er der erste war? Anm. der Red.). Mit seinem Wachstum schob er diese immer weiter auseinander, bis sie nach 18000 Jahren (Symbolisch für Unendlich) vollständig getrennt waren und Pangu erschöpft starb. Dabei verwandelte sich sein Körper. Aus seinem Atem entstand der Wind, sein linkes Auge verwandelte sich in die Sonne und sein rechtes in den Mond. Haupthaar und Bart wurden zu Sternen und sein Blut verwandelte sich in Flüsse. Aus den Extremitäten und dem Kopf entstanden die Fünf Heiligen Berge Chinas. Der Taishan ist der Kopf des Pangus und u. a. ein Symbol für die Harmonie zwischen Himmel und Erde. Die Kaiser, denen das vom Himmel verliehene Mandat auch entzogen werden konnte, bestiegen den Berg als Zeichen ihrer engen Beziehung mit den Mächtigen im Himmel.

Während chinesische Philosophen, v. a. des 11. und 12. Jh. eine Theorie von der Schöpfung der Welt entwickelten, die keine Gottheit enthält, gilt Pangu im Volksmund als Schöpfer. Es scheint, als sei die Mythe um Pangu von südchinesischen Minderheiten entwickelt, dann von den Chinesen übernommen und abgewandelt worden: Bei dem Volk der Yao wird P´an ku als König, der Leben und Tod, Reichtum und Armut in seinen Händen hält, verehrt. Bei Dürre gelten ihm die Gebete und in feierlichen Prozessionen tragen die Yao sein Bild durch die Felder. Die Miao besingen „P´an ku-König“ als Schöpfer des Pfluges und des Webstuhls. … Was die Herkunft der Menschen angeht, so erzählt uns die bekannteste Mythe von Nükua, die sie aus Lehm formte. ……

Drei Yao-Frauen. Nur einmal in ihrem Leben heißt es: der Zopf muss ab! Möglicherweise ein Mythen-Erbe rund ums Haar.

*Quellen:
Volker Häring, Françoise Hauser: China Handbuch: Erkundungen im Reich der Mitte, Tescher-Verlag, 3. erweiterte und aktualisierte Auflage 2018, S. 234f
Wolfram Eberhard: Lexikon chinesischer Symbole. Die Bildsprache der Chinesen, Verlag Diedrichs, 01.02.2004, S. 303f
Wolfgang Münke: Die Klassische Chinesische Mythologie. Stuttgart: Klett, 1976, S.254-255.

3 thoughts on “Die Beulen des Pangu (für Jürgen)”

  1. Das ist eine lange Geschichte. Es begann im Jahre 1997 und hat mit Kampfkunst zu tun. Habe ich deine Neugier geweckt?
    Ganz toll wie du dich um alle Anfragen kümmerst. Alle meine Fragen haben mit Kampfkunst zu tun. Ich schreibe dir die ganze Geschichte in den nächsten Tagen.
    Liebe Grüße

    1. Neugierig? Natürlich würde ich jetzt sehr gern wissen, wie die Beulen des Pangu zum Kampfsport passen. Wenn ich mich hier schon so ins Zeug lege. 🙂

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