Derweil in Lissabon: die Mongolen kommen

Manometer. Wir machen Urlaub in Portugal und dann das: Schon am Flughafen gab’s vergoldete Werbung für Immobilien, gerichtet an chinesische Investoren. Und im Hotelflur hängt der Alptraum aller chinesischer Herrscher: Mongolen. Zwei Bildnisse mit Barbaren zu Zeiten der Yuan-Dynastie, die Anfang des 13. Jahrhunderts unter Tschinggis Khan China einfach überrannt haben.

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Khubilai Khan (reg. 1260-1294), auch Kublai Khan, Begründer und erster Kaiser der Yuan-Dynastie; Foto: gemeinfrei

Unbeeindruckt gliederten die neuen Herrscher aus der Steppe ihre Eroberung in das Großreich der Mongolen ein, des größten Reichs aller Zeiten, dass sich vom Pazifik bis ans Schwarze Meer erstreckte. Sie degradierten die intellektuelle Elite, metzelten mehr als ein Drittel der Bevölkerung hin und verlagerten ihre neue Hauptstadt weg vom Gelben Fluss nach Beijing (Peking). Die alte Weisheit des Lu Jia, dass man China zwar auf dem Pferderücken erobern, aber nicht regieren könne, hatten auch die Mongolen erkannt. Unter Khubilai Khan, dem Enkel des Tschinggis Khan und Begründer der Yuan-Dynastie (1271-1368), wurde ein Regierungssystem ausgebaut, das wesentliche chinesische Institutionen übernahm: eine Zentralkanzlei, die klassischen Sechs Ministerien, die Einteilung des Landes in Provinzen, Kopf- und Bodensteuern, … . Khubilai blieb kein Steppenwolf wie sein Großvater, sondern agierte wie ein chinesischer Kaiser. Die Mongolen förderten den Handel über die nun sichere Seidenstraße bis nach Europa und sollen das erste Imperium in der Geschichte gewesen sein, das Papiergeld benutzte.

Machtlos: Konfuzianische Gelehrte fallen hinter Prostituierte zurück

Die Mongolen, die kaum mehr als zwei Millionen zählten, waren beim Regieren stets auf regionale Eliten angewiesen. Doch die Chinesen waren es nicht mehr, sie wurden aus dem Alltag verdrängt. Der mobilen Gesellschaft der Song, in der sozialer Mobilität kaum Grenzen gesetzt waren, folgte eine rigide Klassenordung. Konfuzianische Gelehrte standen in dieser zehngliedrigen sozialen Hierarchie auf Platz neun, hinter Prostituierten und gerade einmal vor den Bettlern. Das sagt alles. An ihrer Stelle betrauten die Mongolen Ausländer mit administrativen Aufgaben, vor allem Muslime. Auch wenn das System 1313 aufgeweicht wurde, es nützte nichts mehr. Die diskriminierte Bevölkerung Chinas, vor allem die Bauern, erhoben sich gegen die Besatzer. Nach nicht einmal 100 Jahren war der Barbaren-Spuk vorbei. Hier und da stößt man auf ihre Spuren, und das manchmal weitab vom Ort des Geschehens.

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Im Hotelflur hängt der Alptraum aller chinesischer Herrscher: Mongolen. Zwei Barbaren zu Zeiten der Yuan-Dynastie …

Quellen:
Kai Vogelsang, Reclam, Philipp, jun. GmbH, Verlag (1. April 2012), Geschichte Chinas, S. 358ff

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