Derweil am NOK: aufs Dach – Chinagras

Reet als Hausdach ist beliebt, vor allem im Norden des Landes. Das geschnittene und gebündelte Schilfrohr mag es feucht und galt lange wegen seines Holzbestandteils Lignin und wegen des wasserabweisenden Siliziums als unverwüstlich. Hielt einst ein Dach um die 30 Jahre, so bröselt es seit der Jahrtausendwende vorzeitig vor sich hin oder wird pappig.

Als Übeltäter haben Forscher die Abluft aus Massentierhaltungsställen ermittelt oder die Immissionen überdüngter Felder. Sie lagern sich im Reet ein und lassen Weißfäulepilze prächtig gedeihen, die wiederum das Lignin zersetzen. Den Bedarf an der Pflanze decken wir ohnehin zu 80 Prozent aus süd- und osteuropäischen Ländern. Und nun?

Mittelfristig eine Alternative für Reet könnte Chinagras (Miscanthus) sein. Seit Ende 2001 experimentieren Wissenschaftler und Techniker mit dem aus Asien stammenden Süßgras. Auf dem Gelände des Archäologisch-Ökologischen Zentrums in Albersdorf im Dithmarschen am Nord-Ostsee-Kanal (NOK) haben sie das Dach eines der Steinzeithäuser mit der Pflanze gedeckt: je zur Hälfte mit Chinagras aus dänischer Versuchsproduktion und mit ungarischem Reet. Erste Ergebnisse lassen hoffen.

Chinaschilf (Miscanthus sinensis)

Chinaschilf ist eine ausdauernde Pflanzenart aus der Familie der Süßgräser (Poaceae). Sie stammt aus Ostasien (China, Japan, Korea). In den Ursprungsgebieten war sie als Rohstoff für Matten und Flechtwerk zum Sicht- und Windschutz sowie als Futterpflanze bekannt.

Eine spezielle starkwüchsige Sorte von bis zu vier Metern, das Riesen-Chinaschilf (Miscanthus giganteus), eine Kreuzung aus dem Chinaschilf mit Miscanthus sacchariflorus, wurde bereits 1935 von Japan nach Mitteleuropa eingeführt. Es wird seit dem Ende der 1970er Jahre vermehrt zur energetischen Nutzung angebaut.

Chinagras_02
Tipp:
Steinzeitpark Albersdorf
geöffnet von April bis Oktober,
täglich von 11 – 17 Uhr (montags ist geschlossen).

 

 

Quellen: Schwäbische online | Die Welt: Warum Reetdächer plötzlich so schnell verrotten

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