Chinesische Feste (für flurdab)

„Hallo Yùnzhi, ein Terminkalender zu den wichtigsten Chinesischen Festen wäre auch schön. … Liebe Grüße.“

Los geht’s: Obwohl in China offiziell auch der gregorianische Kalender gilt, also unser westlicher, werden wichtige Ereignisse im Leben der Chinesen nach dem Mondkalender gefeiert. Dieser Bauernkalender (mongli) richtet sich nach den Mondphasen mit allen Folgen, denn die festlichen Ereignisse rutschen im Jahr um mehrere Wochen hin und her. Zu den wichtigsten überregional begangenen Feierlichkeiten nach dem Mondkalender zählen:

Frühlingsfest bzw. Chinesisches Neujahr

(Beginn des Mondjahres; zwischen dem 20.01. und 21. 02. eines Jahres)

Es ist das (!) große Familienfest des Landes. Weihnachten, Ostern und Geburtstag auf einem Schlag. Jeder, der es irgendwie ermöglichen kann, macht sich auf den Weg zu seinen Wurzeln. Der Verkehr kollabiert und das öffentliche Leben steht für eine Woche still. Auf der Straße und in den Klöstern feiern die Menschen in Löwen- und Drachenkostümen, böllern gegen die bösen Geister und geben sich ihrer Lieblingsbeschäftigung hin: schlemmen. Jedes Jahr steht im Zeichen eines Tieres. Noch regiert der Hahn, ab dem 16.02. wird der Hund für ein Jahr das Zepter übernehmen.

Laternenfest

Das Laternenfest, in China auch Yuanxiaojie oder Yuanxiao-Fest genannt, ist ein traditioneller chinesischer Feiertag, welcher das 15-tägige Neujahrsfest abschließt. Es fällt immer auf einen Tag des Vollmondes. Die Feierlichkeit begehen die Familien am Vollmond-Abend, an dem sie sich mit Verwandten und Freunden treffen. Nicht zu vergessen ist die Spezialität für das Laternenfest: Tangyuan-Bommelchen, Klebreis-Klößchen mit süßer Füllung, wie schwarzem Sesam oder roter Bohnenpaste.

Qingming-Fest

(Am zwölften Tag des dritten Monats, meist um den 5. April)

Das wörtlich übersetzte Klar-und-Hell-Fest ist der Tag, an dem die Toten besonders intensiv geehrt werden, aber auch sehr pragmatisch, wie ich selbst erfahren durfte. Traditionell ziehen die Familien zu den Gräbern ihrer Ahnen, die meist außerhalb der Städte liegen, unterziehen diese einem Frühjahrsputz, verbrennen Papiergeld und bringen Opfergaben mit, vor allem Früchte und Süßes, die sie wenig später selbst verputzen. … » Qingming – wir feiern mit den Toten

Drachenboot-Fest

(am 5. Tag des 5. Mondmonats )

Das wohl touristischste aller chinesischen Feste. Bunt und laut. So eine Drachenboot-Regatta kennt bei uns inzwischen vermutlich jedes Grundschul-Kind. Der Ursprung des Drachenbootfests geht im Volksmund auf den Tod des Dichters und Staatsmannes Qu Yuan zurück, der sich vor mehr als 2000 Jahren nach bitterer Enttäuschung seiner politischen Ideale in einem Fluss das Leben nahm. Um die Tiere im Wasser davon abzuhalten, den Körper des Verstorbenen zu verspeisen, wurden in Schilfblätter eingewickelten Klebreis-Klößchen (Zongzi) in den Fluss geworfen. Heute werden sie mit süßer oder herzhafter Füllung verputzt. Noch heute wird auch der Dichter selbst verehrt, sogar eine Black-Metal-Band hat sich nach dem Mann benannt: Zuriaake – „Zu, Buried, Lake“ als Metapher für Qu Yuan, der zur Zeit der streitenden Reiche in China lebte (403 – 221 B.C.)*.

Fest der hungrigen Geister

(am 15. Tag des 7. Mondmonats)

Angeblich öffnet sich an diesem Tag die Tür zur Unterwelt und die Geister der Gestorbenen kehren für einen Tag auf die Erde zurück. Jetzt heißt es, die irrlichternden Seelen mild und satt zu stimmen. Draußen Speisen aufzustellen ist dabei unbedingt hilfreich, ebenso Totengeld zu verbrennen und den Weg auszuleuchten. Auch kleine Opern-Aufführungen kommen beim transzendentalen Publikum prächtig an. Ansonsten heißt es, den Tag gelassen anzugehen: keine Umzüge, keinesfalls Hochzeiten, keine tief gehenden Entscheidungen. Bloß nicht!

Mond-Fest / Mittherbstfest

(am 15. des 8. Mondmonats)

Dieses Fest ist – ein melancholisches. Nach den Mond-Mythen von Herrn P. ist eine der Urgeschichten eine sehr poetische: Da ist die schöne Chang E die Frau des legendären Bogenschützen Hou Yi, der die Erde vor den zehn Sonnen rettete, indem er neun von ihnen mit seinem Pfeil vom Himmel holte. Die zehnte hingegen spendet bis heute Licht und Wärme. Zum Dank schenkte ihm die Göttin Xiwangmu ein Unsterblichkeitselixier, das wiederum wenig später sein Widersacher Peng Meng von Chang E forderte, die es aus purer Verzweiflung schließlich selbst trank. Seitdem bewohnt sie als Göttin den Erdtrabanten, den verzweifelten Hou Yi zurück lassend. Das Ende der Sage ist vielfältig. Manchmal können sich die Liebenden wenigstens zum Mittherbstfest in die Arme nehmen, in einer anderen Geschichte schlagen Elstern oder Wolken für die beiden Brücken.

Chongyang-Fest

(am 9. Tag des 9. Monats)

Ursprünglich ein Totengedenktag, wird er seit 1989 als ‚Tag der Alten‘ gefeiert. Nach alter Sitte soll man einen Berg besteigen.

Tag des Küchengotts – oder der Abrechnung

(am 23. Tag des 12. Monats, 2018 am 08.02.)

So einen Tag gibt es wohl nur in China. Kaum ein anderes Volk ist dem Essen so verfallen wie die Chinesen. Kein Wunder also, dass es zum einen diesen Küchengott (Zaojun) gibt und zum anderen, dem auch noch an einem Feiertag gehuldigt wird. Das ganze Jahr hockt er hinter dem Herd und beäugt das Verhalten aller Familienmitglieder. Kurz vor Ende des Mondjahres nun steigt er zum Jadekaiser auf, um ihm über die guten und schlechten Taten aller zu petzen. Wer möchte das schon? Doch auch da wissen sich die pragmatischen Chinesen zu helfen: Sie schmieren dem Gott einfach Süßes „ums Maul“ und wenn das alles nichts hilft, dann gibt es besonders klebrige Speisen, die dem plappernden Gott den Mund verkleben sollen.

 

Ausgewählte Feiertage und Feste in China 2018:
Name des Festes Mondkalender Gregorianischer Kalender
Frühlings-Fest / Chinesisches Neujahr 16.02.2018  01.01.2018
 Laternen-Fest 02.03.2018  15.01.2018
 Qingming-Fest  05.04.2018
 Drachenboot-Fest 18.06.2018  05.05.2018
 Zhongyuan-Fest 25.08.2018  15.07.2018
 Mond-Fest 24.09.2018  15.08.2018
 Chongyang-Fest 09.09.2018  17.10.2018

Außerdem begehen die nationalen Minderheiten ihre eigenen traditionellen Feste, beispielsweise das Wasserfest bei den Dai oder das Danu-Fest der Yao. Und es kommen die gesetzlichen Feiertage hinzu, wie der Internationale Frauentag am 8. März, der 1. Mai oder der Internationale Kindertag am 1. Juni. Der Nationalfeiertag Chinas ist der 1. Oktober, denn 1949  ist der Jahrestag der Gründung der Volksrepublik China.

Fische und die in Rot: Was hat das zu bedeuten? … [weiterlesen]

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Quellen, abgerufen am 18.01.2018:
timeanddate: Feiertage 2018, China
schwermetall: Zuriaake – Black Metal hat ein einzigartiges philosophisches Temperament (Interview)
german.china.org: Volkssagen über den Küchengott

 

6 thoughts on “Chinesische Feste (für flurdab)”

      1. Das ist ja kein Problem, schließlich ist dein toller Blog ja Hobby. Und mir macht jeder deiner Artikel Freude, sind sie doch immer ein Blick in eine andere Welt.

        Interessant finde ich das Fest der hungrigen Geister, als Pendant zu unserem Allerheiligen/ Halloween/ Samhain. Die Vorstellungswelten der Menschen scheinen sich doch oftmals sehr zu ähneln.

        Grüße

        1. Vielen Dank dir. 🙂

          Die chinesischen Geister sind ein ganz eigenes Thema. Und auch die Tür zur Hölle befindet sich keineswegs unter der Erde, wie man vermuten möchte. Der Sitz der „Hölle auf Erden“ befindet sich am Oberlauf des Yangtse, in der Stadt Fengdu, um genau zu sein. Touristen, die eine » Yangtse-Kreuzfahrt buchen, dürfen an diesem heißen Ort gern von Board gehen und den Gipfel-Tempel erklimmen. Hier wird dem Delinquenten sehr bildlich dargestellt, was ihm bei Diebstahl, Ehebruch, … so alles im Jenseits erwartet.

          1. Die Yangtse- Kreuzfahrt scheint ein großer Spaß zu sein, wenn man seine Langnase in der Kajüte lassen kann. Also seine anerzogenen Hemmungen zugunsten einer anderen Kultur deutlich in den Schrank zu sperren.
            Klingt witzig.

            Danke

          2. Es war eine einmalige Reise, ich kann die Tour wärmstens empfehlen. Nichts für jemanden, der sich entspannen will, alles sehr kompakt, dafür dauert sie ja auch nur wenige Tage. 🙂

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