Berlinale 2018: Mutter und Tochter

Weltpremiere. Regisseurin und Hauptdarstellerin Yang Mingming eilt auf die BĂŒhne und wĂŒnscht uns eine angenehme Zeit mit ihrem DebĂŒt-Film „Rou Qing Shi“ („Girls Always Happy“), lĂ€uft zurĂŒck zu ihrem Kinosessel inmitten der Zuschauer und dann, dann geht es los.

Mutter-Tochter-Szene

Mit einem Roller saust eine Frau Mitte 20 namens Wu durch das Gewirr der traditionellen einstöckigen HĂ€userzeilen mitten in Peking. FĂŒnf Ecken weiter passiert sie HochhĂ€user, steigt in die U-Bahn, rollert dann weiter zu ihrem Freund, einem zweifach geschiedenen Mann mittleren Alters. Ihr Zuhause jedoch sind die schmalen Gassen des Hutongs, in dem sie mit ihrer Mutter zusammenlebt. Schon nach wenigen Minuten wird klar: Die Beziehung ist eng, die Gefahr fĂŒr gegenseitige Verletzungen groß. Die Frauen können nicht mit und nicht ohne einander. Zwischen Anschuldigungen und verbalen Spitzen finden die beiden beim Essen zueinander. Wobei sonst in China? Essen – die Regisseurin splittet ihren Film, wie ein TheaterstĂŒck, in Akte: Milk, Lamb und Sweet nennt sie diese. Milch steht als Symbol fĂŒr die Ă€rmliche Lebenssituation der beiden Frauen, die hoffen, als Schriftstellerinnen die finanziellen Durststrecken zu meistern. Sweet, sĂŒĂŸ, steht fĂŒr den hoffnungsvollen Ausblick beider Leben. Dazwischen nagen die beiden allein, manchmal mit Freunden, in jedem Fall genĂŒsslich an Lammknochen.

Alles in allem eine Mutter-Tochter-Beziehung, die man auch als EuropĂ€er nachvollziehen kann, weil man sie kennt, die wunden Punkte in Eltern-Kind-Beziehungen. Meine chinesische Begleitung und ich fanden den Film berĂŒhrend, weil Yang Ming Ming auf die Beziehung der beiden einen persönlichen und warm-heiteren Blick wirft. Umso irritierender ist ihre Antwort auf die Frage eines Englisch sprechenden Asiaten, ob der schwermĂŒtige Eindruck des Films auf gesellschaftliche Ursachen zurĂŒck zu fĂŒhren sei: die Antwort heißt ‚Ja‘. Zu einfach die Antwort. Zu manipulativ die Frage.


Monster, Gummistiefel & Mutter-Tochter im chinesischen Film

Stand, 11.02.2018: Zack. Der rote BĂ€r hĂ€ngt an der Fassade des Berlinale-Palasts. Am morgigen Montag heißt es schnell sein, denn um 10 Uhr startet der Vorverkauf fĂŒr das 68. Film-Festival und normalerweise sind die Tickets innerhalb kĂŒrzester Zeit ausverkauft. China jagt den BĂ€ren? In diesem Jahr nicht, dennoch können Filmfreaks und Interessierte zwischen mehreren Filmen auswĂ€hlen. Wo es uns hin verschlĂ€gt, ist noch offen, denn wie jedes Jahr kĂŒmmern sich chinesische Freunde um den hektischen Akt des Organisierens der Karten.

  • Berlinale Special Gala:
    Monster Hunt 2 von Raman Hui, VR China/Hongkong
    (Monsterkind mit menschlichen Eltern)
  • Panorama:
    ‱ Girls Always Happy von Yang Mingming, VR China
    (Über eine labile Mutter-Tochter-Beziehung)
    ‱ Xiao Mei von Maren Hwang, Taiwan
    ‱ The Silk and the Flame von Jordan Schiele, USA (Mandarin)
  • Forum:
    ‱ An Elephant Sitting Still von Hu Bo, VR China
    (PortrĂ€t ĂŒber eine vom Egoismus geprĂ€gten Gesellschaft)
    ‱ 14 Apples von Midi Z, Taiwan/Myanmar
  • Generation K-Plus:
    Wangdraks Gummistiefel von Lhapal Gyal, VR China (Tibetisch)
    (Über einen Jungen, der sich so sehr Gummistiefel fĂŒr die Regenzeit wĂŒnscht)

TIPP: Einen Überblick hat auch Johannes Heller von den Sinonerds.

 

2 thoughts on “Berlinale 2018: Mutter und Tochter”

    1. Schön, von dir zu lesen. Dieses Jahr wird es bei uns ein Panorama-Film: Girls Always Happy von Yang Mingming. Eine Mutter-Tochter-Geschichte. Bin gespannt.

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