Mondfest: im Mondschein Mythen lauschen und Mondkekse knabbern

In wenigen Tagen, am 1. Oktober, feiern meine Verwandten in China das Mondfest, auch Mittherbstfest (中秋节; Zhong Qiu Jie) genannt. Ein bisschen auch wir, in diesem Jahr mit einer zweitägigen Floßfahrt mit Freunden. Die Vorfreude ist groß, wir haben uns frei genommen. Ich habe dieser Tage Mondkuchen gebacken, meine ersten selbst gefertigten. Die werden wir verputzen, schwatzen, den Mond besingen, Gedichte und Mythen rezitieren und – unseren Erdtrabanten ganz genau beobachten. Und wie es ausschaut haben wir auch mit dem Wetter Glück – Sonne, tagsüber um die 20 Grad und eine klare Mondnacht.

Mondfest? Was ist das für ein Fest? Im Gegensatz zu uns Sonnenkindern haben die Chinesen ein inniges Verhältnis zum Mond, weshalb sie bedeutende Entscheidungen nach dem Mondkalender treffen. Heiraten wäre so ein Beispiel, gern auch Haare schneiden, in jedem Fall aber feiern. Was passiert an so einem Tag?

Kleine Mondfest-Kunde*

Mondfest – Mittherbstfest
中秋节 – Zhong Qiu Ji

(auch: Mittherbstfest – 中秋节 -Zhong Qiu Jie):

Am 15. Tag des 8. Mondmonats feiern die Menschen im Kreis ihrer Lieben. Wenn möglich, besteigt man in dieser Nacht einen Berg oder fährt auf einen See oder setzt sich aufs Hausdach oder … und bewundert den Mond, verknuspert sein handtellergroßes Ebenbild auf Erden und gedenkt Chang E und ihres Geliebten Hou Yi und aller anderen voneinander Getrennten. In der chinesischen Kultur gilt der Vollmond als ein Symbol des Friedens, des Zusammengehörens und des Wohlstands für die Familie. Das Fest entwickelte sich zu Zeiten der Tang-, Ming- und Qing-Dynastie. Die UNESCO hat 2006 das Mittherbstfest in die Liste des nationalen immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

Die Legende von der Frau im Mond
Herr P.: Es gibt so etwas wie eine Urgeschichte. Mit einem Bauern auf dem Mond und einer Frau Chang E, die einen Zaubertrank gestohlen und getrunken hatte und nun, nebst Jadehasen, zum Bauern auf den Mond verbannt wurde. Und es wird die poetische Geschichte erzählt. Da ist die schöne Chang E die Frau des legendären Bogenschützen Hou Yi, der die Erde vor den zehn Sonnen rettete, indem er neun von ihnen mit seinem Pfeil vom Himmel holte. Die zehnte hingegen spendet bis heute Licht und Wärme. Zum Dank schenkte ihm die Göttin Xiwangmu ein Unsterblichkeitselixier, das wiederum wenig später sein Widersacher Peng Meng von Chang E forderte, die es aus purer Verzweiflung schließlich selbst trank. Seitdem bewohnt sie als Göttin den Erdtrabanten, den verzweifelten Hou Yi zurück lassend. Das Ende der Sage ist vielfältig. Manchmal können sich die Liebenden wenigstens zum Mittherbstfest in die Arme nehmen, in einer anderen Geschichte schlagen Elstern oder Wolken für die beiden Brücken. Wie melancholisch!

Chinas Mondmission
Und die Mondgöttin Chang E heute? Heißt modern Chang’E-5-T1, ist eine experimentelle Mondsonde, die im Oktober 2014 den Mond umkreiste und dann wieder zur Erde zurückkehrte. Dabei testete man den Wiedereintritt in die Erdatmosphäre von einer Mondumlaufbahn und demonstrierte die Fähigkeit der Ingenieure, Eintrittskapseln vom Mond sicher auf chinesischem Territorium zu landen. … 2030 soll es soweit sein, dann besucht der erste Astronaut die Frau im Mond.*¹*²

Den Mond verputzen – Mondkuchen

Unsere Lieblingssorte – mit Schwarzem Sesam

Was uns zu Weihnachten der Stollen, das ist den Chinesen zum Mondfest der Mondkuchen bzw. eigentlich sind das Kekse. Hin und wieder lese ich in deutschen Reiseführern, die Chinesen hätten es nicht so mit ihrem traditionellen Keks. Zu gehaltvoll, zu süß, irgendwie scheußlich. Zu gehaltvoll? Zu süß? Für meine Familie kann ich das ausschließen. Pünktlich zum Festtag wollen sie auch ihre kleinen Monde verspeisen. Am liebsten die mit der roten Bohnenpaste. Man muss wissen, das Mondküchlein als solches gibt es nicht, denn die runden Teile funktionieren nach dem Überraschungsei-Prinzip: mal stößt man nach dem Biss ins Gebäck auf süße Füllungen mit Lotussamen oder roter Bohnenpaste, dann wieder entdeckt man im Inneren ein Eigelb oder Schweinefleisch.

Mondkuchen werden als Gabe für die Götter gegeben und präsentieren Einheit, Familie und Glück. In der Vergangenheit übermittelten die Chinesen in ihnen geheime Botschaften, so auch während der Yuan Dynastie (1271 – 1368 AD) als China unter Herrschaft der Mongolen stand und sich von diesen zu befreien suchte. Das soll auch die Geburtsstunde der Mondkuchen gewesen sein. Wer probieren mag – Mondkuchen gibt’s auch in den Berliner Asia-Supermärkten.

Eine chinesische Freundin hat dieser Tage die Mondkeks-Former vorbei gebracht. Ihr wisst ja, ich bin dran. 🙂 Und da sind sie, meine ersten Küchlein.

Ich wünsche euch und eurer Familie
ein frohes Mittherbst-Fest!

祝你和你的家人中秋快乐!

Quellen & Nützliche Links:
*¹ – Hochschule Ludwigshafen am Rhein, Ostasieninstitut
*² – Scilog: Chinesen sind hinter dem Mond und tun was
Epoch times: Am 1. Oktober findet das alljährliche Mondfest statt – ein poetischer Zauber in China, 1.10.2020
german.china.org: Das Mittherbstfest – das zweitwichtigste Volksfest Chinas

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